Das vergessene Kind

Das vergessene Kind

Eine Weihnachtsgeschichte, short version. Die schwangere Maria tröstet ein einsames Kind.

«Schau mein Kind, ich werde für dich sorgen. Ich weiss auch nicht, wie es weitergehen soll, aber es wird weitergehen.» Ich entgegnete: «Aber Maria, ich bete doch so schlecht.» «Mein Kind», sagte sie, «du betest schon sehr viel. Jede von dir geweinte Träne ist ein Gebet. ich finde auch, dass es langsam genug ist mit der Trauer. Darum habe ich dir Menschen geschickt, die dir zuhören und dir helfen.» «Und was ist mit Jesus und der Dornenkrone?», fragte ich. «Schau, Jesus ist damit beschäftigt, die Welt zu retten… Er hat keine Zeit einfach so zu sein, wie ich bin: Eine schwangere Mutter. Deine Mutter, die du nie hattest.»

Bild: Walter Winkler

Und Maria sagte: «Ruh dich ein wenig aus. Du hast eine ganz besondere Gabe: Du kannst mit mir sprechen. Ich schenke diese Gabe nicht jedem. Du darfst sogar stolz darauf sein. Anderen bleibt nur der Rosenkranz.» Maria setzte sich auf den Esel und ritt langsam davon. Ihr Kleid über dem dicken Bauch wehte wie ein Ballon im Wind. Das Kind aber wurde geboren und in Windeln gewickelt und in eine Krippe gelegt.



 Rubrik

In der Rubrik «Isabels Geschichtenraum» erzählt eine Psychologin  Geschichten zu Kirche, Religion und Kinder. Manchmal mit Ironie und Satire – und immer echt.

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