Grosseltern für die Zukunft

Grosseltern für die Zukunft

Zwischen 60 und 80 Jahre alt, aktiv engagiert und in starker Solidarität mit den jüngeren Generationen – das sind die Klimagrosseltern im Kanton Bern. Die Autorin sprach mit drei ihrer Mitglieder.

Der Verein der Klimagrosseltern etablierte sich erstmals 2014 in der Romandie. Seit 2019 gibt es jedoch vermehrt auch in verschiedenen deutschsprachigen Kantonen Untergruppen der Klimagrosseltern. Mit drei Personen – Ueli Hagnauer, seiner Frau Hanna Dym-Hagnauer und Elisabeth Fattorini – war ich im Gespräch über den Verein. Sie sind verantwortlich für die Untergruppe im Kanton Bern.

Forderung der Klimagrosseltern: Klimaschutz jetzt!
Bild: Ueli Hagnauer

Enkel:innen sind für den Beitritt zum Verein nicht obligatorisch. Der Verein ist offen für Menschen im Pensionsalter, mit oder ohne Enkelkinder. Ueli hat acht Grosskinder, die beiden Frauen haben keine Enkel.

Alle drei haben unterschiedliche Geschichten, wie sie zum Klimaaktivismus kamen. Ueli interessierte sich schon relativ jung für Umweltfragen, allerdings damals noch nicht spezifisch für das Klima – in den 1960ern standen andere Themen im Vordergrund: der Verzicht auf fossile Energie, das Velofahren, das Engagement gegen den ausufernden Motorfahrzeugverkehr sowie Leserbriefe für eine Tempolimite. Hanna hingegen fokussierte sich früher eher auf gesellschaftspolitische Themen und wurde erst durch Ueli auf das Thema Klima aufmerksam. Mit der Geburt ihrer Tochter wurde auch Elisabeth vermehrt für solche Themen sensibilisiert – zunächst allerdings nicht fürs Klima. Ihr Anliegen war vor allem, ihre Tochter mit lokalen und gesunden Lebensmitteln zu ernähren. Später kam sie über diesen Weg auch zum Klimathema.

Die Veränderungen

Durch ihre Lebenserfahrung nehmen die Senior:innen die Veränderungen des Klimawandels deutlich in ihrem Alltag wahr:
Elisabeth mag das Wandern. Wenn sie in den Bergen unterwegs ist, stellt sie fest, dass statt der schönen Gletscher heute oft nur noch Geröll zu sehen ist. Es ist ihr auch aufgefallen, dass sie nie mehr Gletscherüberquerungen mit Schnee und Eis macht.
Hanna bringt ein: «Damals hat es mal geregnet. Heute regnet es nicht nur, sondern es regnet heftig, und die Überschwemmungen und die Hitzewellen haben zugenommen, und das auch global. Früher hat man sie nur in Afrika gesehen.»
Das Skifahren gefällt Ueli gut. Dadurch hat er bemerkt, dass die Winter heute schneeärmer sind als früher. Auf den Hängen findet man vermehrt grüne Wiesen statt Schnee, und die Pisten müssen künstlich beschneit werden. Ueli bemerkt dazu: «Das mit dem Skifahren ist natürlich ein Luxusproblem, aber es war auch ein Zeichen.»

«Damals hat es mal geregnet. Heute regnet es heftig – und die Überschwemmungen haben zugenommen.»

Hanna

Wissen und Handeln

Hanna hat bei den Klimagrosseltern viel Neues dazugelernt. «Ich habe mich vertieft mit den Problemen auseinandergesetzt», erzählt sie. «Ich beschränke mich nicht nur auf die Probleme im Fernsehen oder im Radio. Denn ich will mehr lernen. Ich lese viele Bücher, damit ich ein gutes Wissen habe – und das dank den Klimagrosseltern.»

Engagement, das verbindet: Ueli Hagnauer zeigt am Generationenfestival, wie Klimaschutz generationsübergreifend bewegt.
Bild: Mehmet Gökmen

Ueli ergänzt: «Das Problem ist, vom Wissen ins Handeln zu kommen. Die meisten haben genügend Informationen, im Prinzip schon genug. Aber sie haben den Schritt noch nicht gemacht, ihr Wissen in die Tat umzusetzen.»

Neue Mitglieder gesucht

Die Klimagrosseltern suchen stets neue Mitglieder, um ihren Verein zu vergrössern und zu verstärken. Gute Gelegenheiten dazu sind die Strassenaktionen. Diese machen jeweils auf ein bestimmtes Thema aufmerksam, zum Beispiel auf die Ernährung oder auf das Reisen und das Fliegen.

Die Klimagrosseltern waren dankbar für ihren Stand am Generationenfestival. Ueli erzählt: «Wir konnten einen Haufen aufgeschlossene Leute treffen, die sich auch Zeit dafür nahmen.»

«Es geht gerade ein Heer von oomer in Rente – viele mit grossem Wissen. Die bräuchten wir dringend.»

Elisabeth

Doch nicht nur Strassenaktionen sind für den Verein wichtig, sondern auch Beziehungen. Dabei sind nicht nur enge Kontakte bedeutend, sondern auch die kurzen Begegnungen während der Aktionen.

Aufklärung auf der Strasse: Die Klimagrosseltern an ihrem Stand am Generationenfestival 2025.
Bild: Ueli Hagnauer

Die Klimagrosseltern haben zudem ein Anliegen an die vielen Menschen, die sich derzeit pensionieren lassen. Elisabeth betont: «Es geht gerade ein Heer von Boomer in Rente, viele mit guter Ausbildung und grossem Wissen. Die bräuchten wir eben ganz dringend.»

Sicher freut sich der Verein, wenn der:die eine oder andere Leser:in sich engagieren möchte. Interessenten dürfen sich jederzeit melden: uhagnauer@bluewin.ch oder via Webseite.

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