42. Ausgabe, Sommer 2022 – Schwerpunkt: Barrieren

Erschienen am: 7. Juli 2022 Auflage: 1000 Exemplare EDITORIAL: Rebekka Flotron (27)

Was kommt mir in den Sinn, wenn ich «Barrieren» höre? Ich denke sofort an einen Donnerstagabend
im letzten Herbst zurück
: Ich arbeitete damals im Käfigturm, in unmittelbarer Nähe des Bundesplatzes in
Bern und wurde so regelmässig Zeugin der Demonstrationen gegen die damals aktuellen Coronamassnahmen.

Eines Abends schienen die Demonstrationen derart auszuarten, dass wir uns entschieden, uns im Turm einzuschliessen. Die Situation liess mich reflektieren: Die verschlossene Türe sollte uns vor den DemonstrantInnen schützen, eine physische Barriere also – aber mir schien die Trennung irgendwie noch bedeutender.

Ich fühlte, dass da etwas Unüberwindbares existierte, zwischen «denen» und mir. Wenn ich nun die Beiträge dieser Sommerausgabe lese, realisiere ich, dass viele Barrieren weniger «unüberwindbar» sind als sie scheinen.

Ich lasse mich inspirieren: von zwei Frauen, die geflüchtete Menschen bei sich aufnahmen und unterstützten – damals und heute (S. 38), von einer jungen Filmemacherin, die sich aus ihrer «Bubble» wagte, um die Welt ihrer andersgläubigen Tante kennenzulernen (S. 47), von einer Aktivistin, die ihre Ferien für die Friedensstiftung opfert (S. 36).

Vollständig verstehen werde ich sie nie, die Demonstrierenden an diesem Donnerstagabend, dennoch möchte ich bemüht sein – wie die Autorinnen dieser Beiträge – Barrieren zwischen mir und Anderen – manchmal Andersdenkenden – nicht zu hoch werden zu lassen.

Ich hoffe, dass ihr, liebe Leserinnen und Leser, ein ähnlich inspirierendes Leseerlebnis haben dürft.


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