Montag, 6.07.2026
Für viele Autobesitzende ist es immer noch undenkbar, eines ihrer Lieblingsobjekte nicht zu besitzen, sondern mit Unbekannten zu teilen. Umso erstaunlicher, dass trotzdem eine so riesige Community entstehen konnte.
1987 teilen sich acht Personen ein Fahrzeug und gründen die Auto Teilet Genossenschaft. Im gleichen Jahr bilden in Zürich 17 Personen die Genossenschaft ShareCom. Anfangsbestand: ein Auto.
1991 wird zwischen ATG und ShareCom ein Kooperationsvertrag abgeschlossen, der eine Quernutzung ermöglicht. Als vier Jahre später die beiden Unternehmen fusionieren, wird ein unbedientes, interaktives elektronisches Reservationssystem eingeführt.
1997 im Frühling entsteht die Mobility-Genossenschaft. Es gibt bereits 17’400 Kundinnen und Kunden und 760 Fahrzeuge. Irgendwann in dieser Zeit bin ich Genossenschafterin geworden und habe mein Auto verkauft. Obwohl es bereits Bordcomputer gab, haben wir uns in Thun noch mit Schlüsselkästen und Fahrtenbüchern rumgeschlagen. Es kam vor, dass mal ein Schlüsselkasten aufgebrochen wurde. Bevor man losfahren konnte, musste im Fahrtenbuch kontrolliert werden, ob die vorherigen Benutzer:innen den Kilometerstand korrekt eingetragen hatten. Anfänglich mussten die Tankfüllungen noch bar bezahlt werden und wurden dann verrechnet. Später gab es Karten für Tankstellen, dadurch wurde direkt mit Mobility abgerechnet. Die Karten steckten meistens in einem Kästchen hinter dem Rückspiegel. Weil die Autos oft im Freien geparkt waren, wurden durch die Sonneneinstrahlung die Karten so aufgeheizt, dass sie sich verformten. Als ich an einem sonnigen Tag nach dem Tanken an der Kasse war, konnte ich die Karte nicht mehr aus dem Bezahlterminal entfernen. Hinter mir sammelte sich eine Menge unzufriedener Menschen …
Ich war immer begeistert von dem Gedanken, dass es besser ist zu teilen, als ein Auto zu besitzen, das die meiste Zeit rumsteht. Ich konnte je nach Bedarf ein Auto für einen bestimmten Zweck reservieren. Vom Smart bis zum Transporter gab es fast alles. Allerdings wehrten sich die Genossenschafter:innen an den Delegiertentreffen lange gegen Luxusautos und Cabriolets. Ich hatte das Gefühl mitbestimmen zu können; deshalb bin ich Delegierte geworden und konnte an jährlichen Treffen teilnehmen. Die Delegierten wurden aus den Sektionen ausgewählt.
Unsere Sektion war ab Thun Richtung Oberland mit dem Oberwallis zwar flächenmässig gross, aber gemessen an der Zahl der Nutzer:innen überschaubar. Dafür, dass wir uns untereinander kaum kannten, gab es wenig Unannehmlichkeiten. Es gab Mitglieder, die für Instandhaltung und Service zuständig waren und entsprechend bezahlt wurden. Anfänglich kam es öfters vor, dass das reservierte Auto nicht rechtzeitig zum Standort zurückgebracht wurde. Als dann für solche Fälle Bussen eingeführt wurden, klappte es besser. Auch ich musste lernen, die Fahrzeit zum Standort grosszügig zu berechnen, weil es damals schon ständig Staus in der Innenstadt gab. Damals mussten wir noch die Zentrale anrufen, wenn es ein Problem gab.
Da ich in letzter Zeit meistens nur zwei-, dreimal pro Jahr ein Auto gebucht hatte, war ich herausgefordert von den Neuerungen. Fast jedes Mal gab es ein anderes, moderneres Modell; einmal suchte ich verzweifelt den Schlüssel zum Starten – bis ich den Knopf entdeckte mit der Aufschrift Start.
Nun habe ich den Führerschein abgegeben und bekomme meinen Genossenschaftsanteil zurück, Mobility-Newsletter werde ich noch erhalten; ich staune über die fortschreitende Entwicklung. Ich bin nicht mehr Genossenschafterin, sondern Member. Gegenwärtig gibt es 3’300 Fahrzeuge an 1’600 Standorten. In den nächsten drei Jahren sollen 1’000 Fahrzeuge dazukommen. Wer noch nie mit einem Elektroauto gefahren ist, kann vom E-Auto-Training profitieren.
Ich bin nach wie vor begeistert von Mobility und empfehle es allen, die ab und zu ein Fahrzeug brauchen, aber kein «Stehzeug» vor dem Haus oder in der Garage.
Alex Lehmann aus Bern ist weiterhin aktiver Benutzer von Mobility. Auch er rühmt das «sehr überzeugende Konzept».
Soll man, selbst als Gruppe, ein eigenes Auto anschaffen? Alex hat früher in einer WG gelebt, die sich ein einziges altes Auto hielt. Doch es tauchte die bessere Lösung auf. Mobility spannte mit der SBB und ihrem Swiss-Pass zusammen. Wer immer wieder recht improvisiert ein Fahrzeug brauchen wollte, bekam diese Möglichkeit. Ja, «wenn du faul bist, musst du Mobility beitreten», sagt Alex. Denn viele Formalitäten und Kosten bleiben dir erspart; die Fahrzeuge sind neu, gut gewartet, der Kundenservice zuvorkommend und ständig bereit. Jedenfalls in der Stadt – wo Parkplätze reduziert werden sollen – ein ideales Angebot.
Ein wichtiger Schritt war die Einführung der Mobility-App, mit der man «in 30 Sekunden» zu einem Gefährt kommt. Eine Karte zeigt an, welche Autos im Umkreis gerade verfügbar sind, und wo. Gleich lässt sich eines für eine bestimmte Zeit reservieren. Öffnen wird man es auch mit dem Handy. Es mag Zeiten geben, wo grössere Nachfrage besteht. Aber, so Alex, zwei Tage im Voraus wirst du immer eins finden.
Auch Alex schlägt sich mit den jeweils neuen Modellen herum. Den Startknopf gedrückt – nichts. Die Gebrauchsanweisung oder das Display verrät nicht mehr. Ruft er eben den 24-Stunden-Service an. Dass er nun schon länger nicht vom Fleck komme – «das sehen wir»; es handelt sich um ein Elektro-Auto, das kein Motorengeräusch von sich gibt.
Auch zu deinem Fahrausweis gelangen kannst du per Mobility. Dies hat Tochter Janna gemacht. Sie löste ein (günstiges) Mobility-Abo, konnte so mit Begleitung üben, auch unterschiedliche Modelle kennenlernen, nicht nur Automaten. Zur Prüfung allerdings ging’s mit einem Fahrlehrer.
Weniger günstig wäre Mobility für Ferien. Doch auch da werden heute, zusammen mit Vermieter-Firmen, Rabatte angeboten.