Corona, ich und wir: Der etwas andere «Life»-Ticker

Covid19 zwingt uns dazu, unser Leben zu verändern. Wie geht es uns damit? Wir sammeln hier die Geschichten und Gedanken von Menschen aller Generationen zum Thema.

Erzähle uns deine eigene Geschichte zum Coronavirus. Wie hat sich dein Alltag verändert, seit das Coronavirus allgegenwärtig ist? Spürst du eine Unsicherheit – und wie gehst du mit ihr um? Worauf verzichtest du? Kurz: Wie geht es dir im Moment?

In den nächsten Tagen möchten wir eure Gedanken und Geschichten sammeln. Die Ergebnisse publizieren wir dann laufend hier. In der Umsetzung bist du frei.

  • Schreibe uns einen kurzen Text.
  • Schicke uns ein kurzes Video oder eine Sprachnachricht.
  • Schicke uns deine Zeichnung oder dein Foto.

corona@generationentandem.ch

Der Konsumist und
der Pandemiker

Der Konsumist poltert:

Wenigstens verkaufen uns die orangen Riesen noch was zum Futtern. Die riesigen Buffets auf den Luxusdampfern und die exquisiten Weine in Degustationskellern sowie die Blumen für unsere geschundenen Seelen fehlen uns heute aber gewaltig.

Meine First Lady hat Shopping-Entzugserscheinungen. Gestern rannte sie – nur mit einem roten Hut bekleidet –  durch die Wohnung und schrie eine Stunde lang: «Ich habe nichts anzuziehen! Ich habe …»  Ich leimte ihr ein Cocktailkleid aus WC-Papier zusammen.

Der Catwalk durch die leeren Strassen wurde zum Desaster: Der Scheissregen klebte ihr mein Kunstwerk an ihren Body. Spülen bitte!

 

Der Pandemiker räsoniert:  Alle hoffen auf die Chemiekeule gegen den Bösewicht, denn Viren sind zu klein, als dass die aufgebotene Armee sie erschiessen könnte.

Egozentrische Staatsverführer meinen, sie und ihr Volk seien auserwählt und blieben verschont. Die allerkleinsten Lebewesen entmachten die Grössenwahnsinnigen schonungslos. Fluchen und Twittern hilft nichts, meine Herren. Lassen Sie einen Rat der Weisen an die Schalthebel!

Viren sind wie Menschen und fast alle Lebewesen. Sie wollen leben und haben einprogrammiert, dass sie sich vermehren müssen. Nicht aus bösem Willen, sondern wegen diesen zwei Bedürfnissen rotteten Menschen Tausende Arten von Lebewesen aus.

Viren können auch töten, aber sich nicht bewusstwerden, was sie tun. Wir Menschen könnten es.

Und dann bescheidener und rücksichtsvoller leben. Ob wir das in den kommenden Wochen lernen werden? Hoffen ist naiv. Trotzdem könnte ja mal ein Wunder passieren. Es wäre an der Zeit!

Text und Bild: Jürg Krebs (Alter variierend)

Spezielle Massnahmen fordern spezielle Begrüssungsformen

Begrüssung im Schadaupark. Die Mitglieder des Petanque-Clubs Amical Thun treffen sich hier zum Spiel. Das ist heute wohl auch vorbei. Mit Anstand, Abstand und einem Lächeln berührt man sich nur mit den Ellbogen. Aber dieser Corona-Gruss ist mit der Abstandsregel von zwei Metern ebenfalls passé!

Walter Winkler (80, Fotos) und René Mathys (66, Text)

Ausgelesen Spezial: Corona – und alles ist anders!

Das Gebot der Stunde heisst: Zu Hause bleiben. Hat man ein gutes Buch zur Hand, gibt es wirklich Schlimmeres – und gut sind unsere Tipps allesamt. Damit könnten sich Leseratten glatt an Hausarrest gewöhnen und, wer weiss, vielleicht auch Lesemuffel! Heidi Bühler-Naef (66) und Marlene Hiltpold (25) haben Vorschläge. Hier gehts zum Beitrag!
Und übrigens, Bücher kann man sich auch liefern lassen. 🙂

Corona, flüchtig, ungekrönt: Teil 2

Gaby Jordi (69) betrachtet den Virus aus einer etwas anderen Perspektive. Teil 2 der Geschichte der Corona.

Hier geht’s zu Teil 1 und Teil 2.

Neues aus dem KulturGartenSchadau

Die Karrette und die 5 Töpfli sind unsere Lösung für die 5-Personen-Regel.  Alle, die den Garten betreten, nehmen sich ein Töpfli und stellen es beim Heimgehen wieder zurück. So stellen wir sicher, dass sich nie mehr als 5 Personen im Garten befinden. Ist keines zu haben, sind alle 5 Plätze bereits vergeben.

KGS: ein Projekt von «und» das Generationentandem. Der Gemeinschaftsgarten in der historischen Schadaugärtnerei in Thun ist vielfältiger Begegnungsraum. Menschen jeden Alters, NaturliebhaberInnen, Angehörige interessierter Gruppen und Institutionen gärtnern nach Grundsätzen der Permakultur und bringen ihre vielfältigen Interessen, Ideen und Fähigkeiten ein. Die Freude an der Begegnung und am gemeinsamen Tun in Thun steht im Vordergrund.

Yves Barth (29)

Geldwäsche

Geldwäsche: Verbot kurzfristig aufgehoben! Haltet euer Geld sauber, es könnte ein Virusträger sein. Diese humorvollen Bilder sprechen für sich. Heute tragen die VerkäuferInnen Handschuhe und sind froh, wenn die Leute mit der Karte bezahlen. Wer keine hat, kann übrigens auch eine Geschenkkarte kaufen und sich die Beträge auf dieser abbuchen lassen!

Walter Winkler (80, Fotos) und René Mathys (66, Text)

   

Die letzte Reise vor den Grenzschliessungen

Kurz vor dem allgemeinen Reisestopp, wie er nun wegen des Coronavirus gilt, begaben sich noch über dreissig Reisefreudige nach Kroatien. Über zehn Personen hatten sich da bereits abgemeldet. Sie mussten leider ihre Kosten selber bezahlen, da kein Reiseverbot des Bundes vorlag.

Die Reise führte uns via Italien und Slowenien. Um Risiken zu vermeiden, wurden bei den wenigen Stopps in Italien die Getränke rund um den Bus ausgeschenkt, dessen Toilette ebenfalls zur Verfügung stand; die Autogrills waren eh geschlossen, der Verkehr stark reduziert.

Slowenien zählte zu dieser Zeit – so wurde uns mitgeteilt – nur vier Ansteckungsfälle. Trotzdem war das Hotel sehr schwach besetzt. Eine Grenzkontrolle von Italien nach Slowenien fand damals noch nicht statt. Kroatien soll zu dieser Zeit nur zwölf Ansteckungsfälle ausgewiesen haben, trotzdem war Vorsicht angesagt. Die Einheimischen schienen sich mehr zu sorgen, so etwa auf der Insel Pag, wo unsere Gruppe etwas unverblümt gefragt wurde, ob wir ihnen das Virus aus der Schweiz bringen würden.

Dem Busbetreiber kann übrigens ein Kränzlein gewunden werden. Der Chauffeur war via Zentrale stets über die neuesten Entwicklungen im Bilde und konnte so sehr schnell auf allfällige negative Begebenheiten reagieren. Dies zeigte sich auch bei der Inangriffnahme der Rückreise: Diese führte über Slowenien, Österreich und teilweise Deutschland, dies ohne jegliche Überprüfung an den Grenzen. Dank des geringen Verkehrs, aber vor allem auch wegen des sicheren und umsichtigen Fahrstils unseres Chauffeurs, fühlten sich alle Passagiere gut aufgehoben und sicher. In der Zwischenzeit hat übrigens das Busunternehmen, und nicht nur dieses, alle Reisen bis zum 27. April komplett storniert. Die sich daraus ergebenden Probleme sind momentan noch unabsehbar!

René Mathys (66)

Die Tage aushalten

Beim täglichen einsamen Spazieren läuft Gaby Jordi an dieser improvisierten Bibliothek vorbei.

Gaby Jordi (68)

Hoffnige u Tröim

En eigete Duft, e nöji Wermi
ligen über em Seefäldquartier.
Es düecht my, u i gloube,
so geit’s o no angerne,
der Früelig stöng vor der Tür.

Der Früelig mit syne Hoffnige,
der Früelig mit syne Tröim;
me seit, är machi alles nöi,
’s fragt sech nume,
ob mir das würklech o wei.

D Angscht vorem Nöjie,
d Angscht vor Veränderige
bringen is doch mänggisch
schier ume Verstang,
früecher syg alles viil besser gsy,
hütt aber ghei d Wält usenang.

Usenang cha si gheie, d Wält,
das isch wahr,
we me nid scho im Chlyne probiert
enanger e chly besser z verstah
u geng meint:
I allei weiss, was rächt isch u stimmt,
für mi isch doch alles klar!

Der Früelig als Hoffnig,
der Früelig als Troum –
fö mir doch geng wider vo Nöiem aa;
u we’s üs scho nume im Chlyne glingt,
de blybe mir sicher nid stah

Andreas Steinmann (75)
Bild: Andrea Blatter (39)

«und»-Runde ganz digital

Die «und»-Runde ist eine Art Stammtisch von «und» das Generationentandem. Auch diese Veranstaltung musste der Verein einstellen. Doch damit wollen wir uns nicht abfinden. Heute haben sich 21 junge und ältere Menschen via Zoom zur digitalen Runde getroffen. Zuerst haben alle ihre Eindrücke und Gefühle im Kontext des Coronavirus ausgetauscht. Dann diskutierte die Runde die Fragen: Halten wir uns gut an die Massnahmen? Wie gehen wir mit den Einschränkungen um?

Einsatz im Kronen-Taxi

Ein Wagen im Stil des Corona: Nur mein Freund, ich und die «social distance». Wir befinden uns auf dem Weg zu unserem temporären Corona-Einkaufshilfe-Auto. Mein Vater ist mit seinen 67 Jahren in der Risikogruppe und braucht das geräumige Vehikel in nächster Zeit nicht. So können wir ganz unkompliziert unsere drei Einkaufslisten abarbeiten. Eine kurze für meinen alten Alten, eine kürzere für seine Zwillingsschwester
und eine lange für meine an Multipler Sklerose leidende Mutter. Das «Kronen-Taxi» kommt für die nächsten vier Wochen mit zu uns nach Hause und wird hoffentlich noch viele weitere Einkaufstüten mit ihren isolierten BesitzerInnen vereinen.

Corona, reisend, ungekrönt

Hält uns ein kleines, unsichtbares, angsteinflössendes, unfassbares Wesen den Spiegel vor? Flirrende Gedanken laden ein zum Nachdenken über unsere Gewohnheiten. Gaby Jordi hat geschrieben, Lisa Essig illustriert. Hier geht’s zum ganzen Text.

Technikhilfe online
und per Telefon

Die Welt scheint sich zwar langsamer zu drehen, doch Computer, Drucker, Social Media und das Smartphone werden wohl für uns alle in der nächsten Zeit einen grösseren Stellenwert in unserem Alltag einnehmen als üblicherweise. Probleme mit Computer, Drucker oder mit dem eigenen Smartphone gibt es aber leider auch zu den Zeiten des Coronavirus. Die Technikhilfe von «und» das Generationentandem funktioniert aber trotz Lockdown. Als Technikhelfer war ich heute zum ersten Mal nicht in der Wohnstube von Frau und Herrn Gerber, sondern online per TeamViewer und telefonisch mit den Hilfesuchenden in Kontakt. So konnte ich aus einigen Kilometern Distanz dennoch Probleme lösen, technische Fehler beheben und Fragen beantworten. Brauchen Sie technischen Support oder haben Sie eine Frage zu ihrem Gerät? Melden Sie sich bei «und» das Generationentandem und erhalten Sie die Technikhilfe aus der Distanz.

In der Schule
ohne Kinderlachen

Jetzt habe auch ich Zeit einen Kommentar zu schreiben. Natürlich sind  bei uns an der Schule Zulg die Schulstuben leer, was für mich als «Vollherzblutlehrerin» nicht ganz einfach auszuhalten ist. In unserer Region gibt es keine Betreuungsengpässe. Die Kinder leben oft auf Bauernhöfen, es gibt immer etwas zu tun. Den sozialen Abstand zu den Grosseltern zu wahren, die oft im gleichen Haus oder im Stöckli nebenan wohnen, ist wohl nicht ganz einfach. Uns Lehrpersonen ist es ganz wichtig, dass wir die Kinder nun nicht mit zu vielen Aufträgen bombardieren und die Eltern so zusätzlich noch mehr Arbeit haben, denn auch in unserer Region arbeiten viele Mütter in der Pflege.

«Den sozialen Abstand zu den Grosseltern zu wahren, die oft im gleichen Haus oder im Stöckli nebenan wohnen, ist wohl nicht ganz einfach.»

So haben bei uns alle Kinder ein Päckli erhalten mit einem Springseil und einem Ball, tägliches Training braucht Zeit. Daneben müssen die Kinder regelmässig lesen und haben von uns einen Strauss an Ideen gekriegt, was man sonst noch tun könnte. Jedes Kind hat im Päckli auch einen vorfrankierten Brief für ein anderes Kind erhalten. Wer weiss vielleicht ergibt sich daraus eine Brieffreundschaft…?

Ich mache mir keine grossen Sorgen, dass die Kinder in den 12 Tagen bis zu den Frühlingsferien, so lange dauert es nur, viel Schulstoff verpassen. Ich hoffe sehr, dass die Kinder den erhaltenen Freiraum geniessen können, denn dieser fehlt mit einem eng strukturierten Stundenplan oftmals. Aus Langeweile entstehen die kreativsten Projekte. Für mich als Lehrerin ist es eher schwierig, die Leere auszuhalten, auch die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen sollte man ja bleiben lassen. Über Facetime,… zu kommunizieren liegt mir nicht besonders. Ich hoffe also sehr, dass dieser Ausnahmezustand nicht bist zu den Sommerferien dauern wird. Zurzeit habe ich noch genug zu tun mit Vorbereitungen für das neue Schuljahr. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt auch einmal das Schulhaus aufzuräumen. Aber eben: Ein Schulhaus ohne fröhliches Kinderlachen ist einfach nicht lustig und ich freue mich sehr darauf, wenn ich alle Kinder wieder persönlich und mit Handschlag begrüssen darf.

Christine Leichtnam

Leere Welle zur Stosszeit

Eine leere Welle in Bern, dienstags um 8.15 Uhr. Wer zu Hause arbeiten kann, tut das. Nachdem der Bundesrat gestern die ausserordentliche Lage ausgerufen hat, hat jeder Pendler/jede Pendlerin nun ein Abteil für sich.
Normalerweise herrscht hier an der Schanzenstrasse um diese Zeit dichtes Gedränge.
Livia Thurian (25)

Hüten auf Distanz

Vorgestern per WhatsApp die Nachricht unserer Tochter aus Kopenhagen: leider sei eingetroffen, was wir alle befürchtet haben, sie muss die Woche Ferien bei uns abblasen. Wir werden sie und unsere kleine zehn Monate alte Grosstochter nicht sehen. Gestern Abend per WhatsApp die Nachricht unserer Schwiegertochter, dass sie versuchen, mit anderen «Hüeti-Personen» im Freundeskreis zurechtzukommen, damit wir Grosseltern geschützt sind. Die beiden Nachrichten, so gut sie auch gemeint sind, tun weh. So lange die beiden Kleinen nicht sehen, ist schwer.

So habe ich denn mit der App «Sprachmemo» heute Morgen für die vierjährige Grosstochter das erste Kapitel eines herzigen Kinderbuches aufgenommen und meiner Schwiegertochter geschickt. Die Kleine kann sich nun, während ihre Mama Homeoffice macht, sinnvoll «vertöörlen». Per Videobotschaft habe ich ausserdem kleine «Aazählvärsli» nach Dänemark gesendet. So bleiben wir alle in Verbindung. Ich bin getröstet.
Christine Buchs

Gespenstisch

Das Coronavirus hat meinen Kopf, meine Gedanken infiziert. Es legt einen Filter über meine Augen. Jeder Mensch, dem ich begegne, ist von einem Gespenst umgeben. Abstand halten! Keine Hände schütteln! Lieber nicht einatmen. Das Misstrauen kommt ganz automatisch und es verunsichert mich.
Und das Virus wirkt in zwei Richtungen. Ich selber bin vom Gespenst umgeben, für alle anderen könnte ich gefährlich sein. Jetzt einfach nicht husten! Was habe ich alles angefasst, seit ich zuletzt die Hände gewaschen habe? Soll ich mein kleines Fläschchen Desinfektionsmittel für das Smartphone nutzen oder für richtige Notfälle sparen?
Mir ist, als wäre das Coronavirus im Durchmesser zwei Meter gross statt 60 bis 140 Nanometer. Es wabert unsichtbar und unausgesprochen zwischen jedem sozialen Kontakt, den ich habe. Den wir alle haben. Aus Solidarität kapseln wir uns alle ab. Ist das nicht paradox? «Lasst uns jetzt zusammenstehen! – Aber bitte möglichst weit weg voneinander.»
Annina Reusser (25)

Lindas Coronafrisur

In unsere Pflegeinstitution haben wir die Weisung bekommen, keine Frisuren mehr zu tragen mit «fliegenden Haaren». Kein Pferdeschwanz, keine losen Hochsteckfrisuren. Weshalb jetzt alle Frauen mit langen Haaren die Coronafrisur trage.
Linda Hadorn (39)

Ein wertvolles Versprechen!

Eben habe ich mit verschiedenen älteren Mitgliedern im Alter von 65 bis 92 telefoniert. Etwas erschreckt hat mich, dass einige heute Morgen schon einkaufen waren. Mein Angebot für sie einzukaufen haben sie aber gerne angenommen. «Ich verspreche dir, ich gehe nicht mehr selbst einkaufen!», sagte mit eine langjährige ältere Kollegin zum Schluss des Telefonats.
Elias Rüegsegger (25)

Corona in der REHA

Ich bin seit neun Tagen in einer REHA in Montana. Anfangs gab es noch keine Massnahmen. Alle Therapien fanden statt, auch die in Gruppen. Wir assen alle zusammen im Restaurant, die Menschen aus fünf Etagen.
Seit drei Tagen essen wir in zwei Schichten: nicht mehr zu viert am Tisch, sondern zwei diagonal. Gruppen mit wenig Platz im Raum werden abgesagt. So zum Beispiel Gesprächsgruppen auf meinem Stock im Fernsehraum. In den medizinischen Trainingsraum wird nur eine kleinere Anzahl Menschen gleichzeitig reingelassen. Ich finde, alle MitarbeiterInnenn geben sich grosse Mühe die Massnahmen umzusetzen. Trotz Mehrarbeit bleiben alle stets freundlich. Mich ärgert es, wenn PatientInnen sagen «die spinnen, ils sont foux». Spaziergänge an der frischen Höhenluft tun gut und machen den Kopf frei.
Anita Bucher (56)

«Hänkersmahlzyt»

«Nid füredrücke, bitte, hinger aastah!» An diesem Samstag ist alles ein wenig anders im Selbstbedienungsrestaurant mit den drei grossen MMM. «Es dörffe uf ds Mal nume sövu Lüt yne, dass nie meh als 40 Persone dinne chöi ässe», gibt die freundliche junge Dame Auskunft. «Mir wärde sträng kontrolliert!» Das Tolle an der ganzen Sache ist, dass sich niemand aufregt, dass man sogar einen kleinen Schwatz abhält, bis man an der Reihe ist. Bei der Essensausgabe wird man zuvorkommend bedient. «Gits hütt en äxtra grossi Corona-Portion?», witzle ich.– «Ja», gibt der Koch, der offensichtlich den schwarzen Humor liebt, lachend Auskunft, «hütt gits d Hänkersmahlzyt.»
Andreas Steinmann (75)

Vollbremsung wirft uns aus der Bahn

Gestern duckte ich mich vorbei an den wenigen Leuten auf der Strasse, da traf mich ein skeptisches Blinzeln und funkte:« Du, Grauhaarige, gehörst nach Hause.» Das traf mich, obwohl ich wusste, dass verfügt worden ist: «Wer betagt, gesund oder auf wackeligen Beinen unterwegs ist», sollte nichts riskieren. Und das alles nur wegen des geheimnisvollen Winzlings mit den roten Rosetten? Der «schöne Stern» bringt es fertig, dass die ganze Welt Kopf steht?
Inzwischen hat sich das Undenkbare ereignet, der gesellschaftliche Stillstand rund um die Welt ist da. Und jetzt? «Warten auf Godot», auf etwas, das kommt, heute, morgen oder in nächster Zeit. Auf das erlösende Medikament? Auch ich bin im Schwebezustand, warte gelassen und doch hellwach: «Corona, wehe du erwischst mich! Komm mir nicht zu nahe, verstehst du? Kill mich nicht!» Dann denke ich immer wieder, die Welt geht nicht unter. Es ist hart zu akzeptieren, dass ein heimtückischer, kleiner Virus unseren Alltag im Handumdrehen schachmatt setzen konnte. Keine schweren Waffen, keine Naturkatastrophen haben uns diese Situation gebracht. Werden wir endlich begreifen, dass die evolutionäre Natur ihre eigene Dynamik hat? Sie weckt uns aus unserer Selbstsicherheit. Es ist nicht das erste Mal. Dieser Herausforderung müssen wir uns wieder einmal stellen.
Es ist nun so. Wir sind alle miteinander ruhig gestellt. Ich fühle mich auch angebunden und dachte, ich wäre hungrig nach Zeit, um alles das zu tun, was mich sonst in Zeitnot so drückt. Wenn z. B. ein Termin mich antreibt, und ich zische: «Hätte ich nur noch einen Tag mehr!» Stattdessen sitze ich, lese Zeitung und trinke Kaffee und denke: Wie gut strukturiert Arbeit doch den Alltag. Es wird vorübergehen, allerdings, vor kurzem habe ich geglaubt, es gäbe nur Computerviren. Und nun DAS!
Telsche Keese (82)