Gedanken-Schatulle

Zählst du dich zu den Menschen, welche gerne ihre Gedanken zu Papier bringen? Unsere Rubrik «Gedanken-Schatulle» könnte genau das richtige Gefäss dafür sein und ist offen für Alle – Schreiberlinge und LeserInnen, Jung und Alt.

Illustration: Mara Ludwig

Was es braucht, damit wir die «Gedanken-Schatulle» füttern können: Texte, die entweder zum Schwerpunktthema (aktuell: «Vorgestern und Übermorgen») oder sonst zum Generationenthema passen. Was kommt dir zum Schwerpunktthema sofort in den Sinn? Schwirren in deinem Kopf Themen herum, die Jung und Alt interessieren könnten? Hast du spannende Begegnungen mit anderen Generationen erlebt?

Wir freuen uns auf Texte im Umfang von höchstens 1500 Zeichen. Vergiss nicht, dem Text einen Titel zu geben. Ein zum Text passendes Foto macht dein «Schreibpaket» komplett. Es darf losgehen!

Text (mit Angabe deines Alters) und Foto an Gaby Jordi: gedanken-schatulle@generationentandem.ch

Zum Schwerpunkt:
Vorgestern und übermorgen

Ganz früher und in ferner Zukunft

Text und Bild: Jürg Krebs (75)

Ganz früher glaubten die Menschen noch an Geistwesen wie mich. Heute hat keiner mehr eine Ahnung von uns. Ich bin trotzdem immer noch die leichte, luftige Seite der Lebensenergie und nenne mich darum Luftgeist oder Lebensatem.
Ich spiele gerne mit den Vögeln Theater, denn die Luft ist ihr Revier. Sie freuen sich über meine Ideen, die ich ihnen einflüstere. Letzthin sagte ich zu einem Schwarm Schwalben: «Liebe Luftibusse, fliegt bitte heute den zwei Tennis-Stars, die jetzt in London spielen, ganz eng um die Ohren. Passt aber auf, dass sie euch mit ihren Schlägern nicht erwischen.» Sie erfüllten meinen Wunsch sofort und konnten nicht aufhören damit, bis das Spiel um Ansehen und Geld abgebrochen wurde. Als Schlussbild flogen meine Lieblinge in Pfeilformation über die Tribünen und pfiffen so laut sie konnten. Das Publikum hatte so ein neues Spiel kennen gelernt und begeistert applaudiert. Vielleicht werden diese Menschen künftig besser auf lebendige Wunder achten.

Ich bin aber auch ernst unterwegs. Wenn zum Beispiel die Gedanken von Kindern und Jugendlichen unkontrollierbar herumflitzen, lenke ich ihr Denken und ihren Atem in einen ruhigen Rhythmus um, was zugleich ihr Herz und ihre Gefühle besänftigt. Werden die Menschen in ferner Zukunft erkennen, dass ihre Konsumwut sie nicht glücklich macht? Werden sie sich dann wieder an uns lustigen, liebevollen und weisen Geistern erfreuen?

Zum Schwerpunkt «Wasser»:

Als Wölkchen entschweben

Text und Bild: Jürg Krebs (75)

Wasser ist ein wunderbares Element. Es spendet Leben. Leider setzt es ihm manchmal auch ein vorzeitiges Ende. «Häbet Sorg»!

Timo, mein Freund, du warst erst vor zwanzig Jährchen aus dem Fruchtwasser geflutscht, und wurdest zum besten Eiskletterer. Bei einer Erstbesteigung riss dich eine Lawine mit sich. Dein Vater fand dich als eisigen Engel. Ich weinte.

André, mein alter Weggefährte und guter Schwimmer. Ein Wirbel im Fluss verschluckte dich erbarmungslos. Du lachtest so gerne. Vielleicht lachst du in anderen Sphären weiter? Dann lache ich mit!

Ich, als Schwimmer, Fischer, Ruderer, Segler war immer ein Freund des Wassers. Gemütlich paddelte ich in meinem Kajak über den See. Plötzlich raste ein führerloses Motorboot von rechts direkt auf mich zu. Adrenalin pur! Drei kräftige Paddelschläge katapultierten mich rückwärts ins Leben. Eine Sekunde zu spät und ich wäre mit dem Seewasser eins geworden. Freudentränen kullerten über meine Wangen.

Dereinst werde ich dem Feuer als Wölkchen entschweben.
Aber jetzt sind mir noch ein paar Tage gegeben.
Welch ein Glück!

Zum Schwerpunkt «Wasser»:

Text: Andreas Steinmann (77); Bild: Jürg Krebs (75)

Erlebtes aus der Jugendzeit

Von 1957 bis 1959 hatte ich einen Wochenplatz bei der Schadau-Fähre in Thun. Es gab damals sogar noch zwei Fähren, die sich gegenseitig Konkurrenz machten. Es wurden Boote vermietet und für 20 Rappen das Publikum auf die andere Seite gerudert.

An einem Sonntag hat es bei einer Fähre mit Bootsvermietung und Tankstelle für Motorboote natürlich immer viel mehr Arbeit als unter der Woche. Oft weiss ich nicht mehr, wo mir der Kopf steht: Boote zur Vermietung bereitstellen, Zeit und Datum der Vermietung in ein Heft eintragen, nebenbei noch das Geld einziehen, das eine solche Bootsfahrt kostet. Dazu gibt es noch die Tankstelle für Motorboote zu bedienen und Kundschaft will auf die andere Aareseite gerudert werden. Dabei stehen bei der Bootsvermietung die Leute schon ungeduldig Schlange. Ich weiss schon bald nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Ein Ruderboot bereit zu machen, heisst, ich muss reinspringen, die Boje hinten am Boot lösen und den Leuten beim Einsteigen helfen.

Viele sind es sich nicht gewohnt, so ohne Weiteres in diese wackelige Angelegenheit zu hüpfen, benehmen sich so unbeholfen, dass ich automatisch an die Zeit erinnert werde, als ich bei meinem allerersten Wochenplatz-Einsatz gleich sechs Boote hintereinander bei strömendem Regen auspumpen musste und keine Ahnung hatte, wie das nun gehen sollte.

Sind das Boot und seine Insassen endlich bereit zum Ablegen, stosse ich den Kahn mit Hilfe eines so genannten Stachels vom Ufer weg in die Aare. Ein Stachel besteht aus einem langen Holzstiel mit einem Hacken vorne, dass ich die Boote, die von ihrem Ausflug zurückkommen, anpacken und ans Ufer ziehen kann. Böötlimieter sind häufig Anfänger, denen ich natürlich behilflich bin. Und jetzt passiert es mir als «abgebrühtem Profi» eben mehr als einmal, dass ich in der Hitze des Gefechts beim Abstossen des Schifflis das Gleichgewicht verliere und samt den Sonntagskleidern im Wasser lande. Sehr zum Leidwesen meiner lieben Mutter.  Der Chef meint jeweils nur trocken: «Das ghört derzue, dass me es paar Mal samt de Chleider i ds Wasser gheit. Du bisch ersch e richtige Fährimaa, wett d Strättlige-Touffi hinger dir hesch!» Die Aare, besonders natürlich die bei der Schadau, zählt noch heute zu meinen Lieblingsgewässern.

Heute ist leider nicht mehr viel von dieser lebendigen Zeit übriggeblieben. Die Fähre wird, wenn überhaupt, nur noch sehr sporadisch bedient. Boote werden schon lange keine mehr vermietet. Es wird zwar daran gedacht, eine Kettenfähre zu installieren, welche die Passagiere vollautomatisch vom einen zum andern Seeufer übersetzen würde. Das ganze Schadaugebiet soll ja laufend aufgewertet werden, da würde eine solche Fähre doch sehr gut ins Konzept passen.

2 Responses to “Gedanken-Schatulle”

  1. Antworten

    Enge Regeln sollen dem „und“, das stark expandiert, Sicherheit und klare Grenzen geben. Verständlich. Vielfalt und Kreativität leiden natürlicherweise darunter. Danke für die Chance, die die „Gedanken-Schatulle“ unkonventionellen SchreiberInnen bietet! Schorsch Fridu Chräbs

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