Dieses rote Kleid

Dieses rote Kleid, das mich an diese Nacht erinnert, jedesmal wenn ich meinen Kleiderschrank öffne. Dieses rote Kleid welches mich zurückwirft in den Schmerz der diese Nacht prägte. Dieses rote Kleid, das ich für dich trug.

Ich trug das rote Kleid für dich. – Zeichnung: Mara Brügger

Ich weiss noch, wie wir dort sassen. Und wie wir über uns, über das, was war, sprachen. Wenn ich daran denke, sehe ich uns in dieser eiskalten Nacht. Sitzend unter der Sternendecke. Es tat weh, es schmerzte, als wir sagten, es sei vorbei. Es hätte keinen Sinn mehr.

Wie wir nebeneinander sassen, das letzte Mal so eng, so nah, so vertraut. Ich wollte nicht aufstehen, ich wollte einfach dort sitzen bleiben.

Ich erinnere mich, wie ich dieses rote Kleid trug. Das rote Kleid, welches ich so sorgfältig ausgesucht hatte. Nicht für irgendwen.

Nein, ich trug es für dich.

Ich hatte Angst, riesig grosse Angst, dass es nichts helfen würde, es zu tragen. Rot die Farbe der Leidenschaft. Die Farbe für seelische Kraft, Durchhaltevermögen und Liebe. Liebe.

Das rote Kleid, das trug ich für dich. Nur für dich.

Ich weiss noch, wie ich dich das letzte Mal spürte, wie ich dir das letzte Mal so nah war und wie ich Angst hatte. So riesig grosse Angst, ohne dich, ohne uns sein zu müssen. Ich erinnere mich an diese eine, letzte Umarmung unserer Liebe. Die mir so sehr weh tat, das sie es heute noch tut.

Ich erinnere mich an diese Nacht zurück, als wäre es gestern gewesen. Wir lösten uns aus der Umarmung und alles war vorbei.

Es gab kein uns mehr. Es war aus.

Ich realisierte es nicht. Es war so unreal. So überhaupt nicht echt. So falsch. Es fühlte sich so falsch an.

Ich weiss noch genau, wie mich meine Beine kaum mehr trugen. Und ich wusste, dass ich diesen Schmerz nicht ertragen würde. Ich wusste nicht wie. Ich sah den Ausweg nicht. Ich weiss noch, wie ich da sass und in den Sternenhimmel blickte und mich fragte: warum?

Ich weiss noch, wie wir dort sassen, an dieser Mauer, auf dem kalten Asphalt, wie du mir deine Jacke gabst. Es war eine eiskalte Nacht. Ich erinnere mich an die Sterne, die über uns thronten. Und an den Mond, der uns beleuchtete. Ich weiss noch, wie ich dieses rote Kleid trug. Dieses rote Kleid, welches ich nur für dich trug. Du weißt schon, wie in diesen Filmen. In denen alles immer gut wird. Doch dieses rote Kleid half nicht.

Wenn ich das rote Kleid dieser Nacht in meinem Kleiderschrank hängen sehe, so einsam, so fast unberührt, da weiss ich, dass ich dieses rote Kleid nur für dich getragen habe. Und da weiss ich noch, wie sehr diese sternenklare, eiskalte Nacht mein Herz entzwei riss.

Mara Brügger schreibt für «und» immer wieder über ihre Gedankenwelt. – Bild: Elias Rüegsegger

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