Wie Menschen gehen

Für alle Sommerliebenden – ein humoristischer Rückblick auf die Badi-Zeit. Jürg Krebs beobachtet, wie Menschen im «Strämu» kommen und gehen.

Ich sitze im «Schträmu» auf der erhöhten Terrasse und beobachte ganz verschiedene Menschen: von jung bis alt, von schlank bis üppig, von weiss bis dunkelbraun, von klein bis gross. Also eine ganz normale Mischung.
Was mir heute besonders auffällt ist, wie verschieden diese Menschen gehen:
Kinder rennen oder hüpfen, kleine Kinder purzeln hin und stehen meist sogleich wieder auf oder werden von ihren Müttern aufgerichtet, Mädchen schlagen leichthin mehrmals hintereinander das Rad, Knaben trippeln einen Ball.

Die Originale

Alte Männer gehen fast in Rücklage und ihr «Güggelifriedhof» weist ihnen den Weg, dicke Frauen wanken von einem gestreckten Bein aufs andere um ihre Knie zu schonen, Bodybuilder stolzieren steif herum und suchen bewundernde Blicke, während schwangere Frauen selbstbewusst ihre braunen, runden Bäuche spazieren führen (die Badekleider mit cachierenden Röckchen sind passé, Bikinis sind angesagt).

Alte Männer: Ihr «Güggelifriedhof» weist ihnen den Weg.

Einige junge Leute wandeln schön aufrecht und mit langem Hals, elegant und fast stolz – besonders die schlanken Afrikanerinnen machen uns da etwas vor. Andere haben schon mit sechzehn Jahren Übergewicht und schleppen sich dahin. Die Gebeugten zeigen öfters nach innen gedrehte Füsse und stellen sich fast selbst das Bein.

Schwangere Frauen: Sie führen selbstbewusst ihre braunen, runden Bäuche spazieren.

Einige Badegäste hinken oder humpeln – zum Teil mit Stöcken, andere schwanken (leiden sie unter der Hitze?), Asiatinnen trippeln mehr oder weniger anmutig auf ihren kurzen Beinen daher, selten geht jemand sehr leicht und fast schwebend (die Tänzerinnen scheinen heute zu arbeiten). Einer irrt kopflos herum (ob er seinen Kopf sucht?).

Sehr unterschiedliche Menschen trifft man in der Badi. – Zeichnung: Jürg Krebs

Offenbar kann man auch mit O- und X-Beinen fast problemlos einen Rasen überqueren. Wieder andere schreiten versonnen den Strand auf und ab (ob sie die Muscheln und den Teer vermissen?). Diejenigen, die keinen Bienenstich einfangen möchten, schieben ihre Füsse vorsichtig nach vorn (oder lieben sie das Kitzeln der Gräschen?), andere rammen ihre Absätze in den Boden, als ob es etwas zu zertreten gäbe, Jungen schubsen sich gerne herum und lachen, wenn einer hinfällt. Die einen schieben Kinderwagen, andere schleppen Sonnenschirme und Liegestühle zum Ufer.

Offenbar kann man auch mit O- und X-Beinen fast problemlos einen Rasen überqueren.

Wer in den See hinaus spaziert, macht gelegentlich komische Verrenkungen, weil die harten Steine die Füsse malträtieren. Eine Rutschbahn bis ins tiefere Wasser (und zurück) wäre eine wunderbare Erlösung. Zwischen zwei Bäumen versucht einer, auf einem schlappen Band zu gehen. Ob es mit einem Rollator besser klappte? Andere springen kühn über Hecken voll ins «Blumenbandeli» – wohl nicht zur Freude des Gärtners. Die Beach-Volleyballerinnen mühen sich im Sand ab.
Alte Menschen wären froh, normal gehen zu können, während jüngere das langweilig finden und darum besondere Herausforderungen suchen. Offenbar «geht» fast alles – es lebe die Vielfalt!

Wer geht im Schträmu ein und aus? Jürg Krebs weiss es! – Bild: mm

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