Für den Jungen in meinem Kopf

Für den Jungen, der in meinem Kopf schwirrt, mich nicht loslässt, mich hält. Für den Jungen, den ich gar nicht kenne, der mich nicht kennt. Für den Jungen, den es vielleicht gar nicht wirklich gibt. Für den Jungen in meinem Kopf.

Einfach irgend so ein Bild von einem Jungen in meinem Kopf. – Bild: Mara Brügger

Und wenn sich dann die Sterne reflektieren im glatten, klaren Wasser und sie magisch die Nacht erleuchten – dann muss ich an dich denken. Da muss ich lächeln, weil du anders bist als andere. Weil du mich verzauberst.

Es macht mich neugierig bis tief in mein Innerstes.  Ich will alles von dir wissen, doch ich kenne dich nicht. Du bist nur ein besonderer Junge in meiner Schule, der über den Pausenhof schlendert. Eigentlich bist du gar nicht da. Du schleichst. Du streifst. Du bist da, ohne da zu sein.

Wenn ich dich dann entdecke, springt mein Herz, schreit mein Herz. Du weisst nicht, wer ich bin.

Wie solltest du auch, du bist so unscheinbar, du bist eigentlich gar nicht da. Dich gibt es kaum. Aber ich sehe dich: Wie du gehst, stehst und strahlst; wie du bist, was du tust. Du hast dieses Etwas, dieses Etwas in deiner Art zu sein, zu leben.

Ich weiss, dass ich dich nicht kenne, kaum kenne. Wie sollte ich auch, du bist ein fast Unsichtbarer. Irgendwie beängstigend. Irgendwie bezaubernd. Ich will mich nicht verlieben. Ich kann nicht. In jemanden, den ich nicht kenne, der mich nicht kennt. Zu unterschiedlich. Zu unbekannt. Zu absurd.

Zu absurd, verliebt zu sein in ein Bild in meinem Kopf. Ich weiss nicht, was ich fühle, wieso ich fühle und was es zu bedeuten hat.

Wieso du? Einer, den ich gar nicht kenne, den ich nur sehe. Wieso du, der sich so perfekt bewegt, der so nett und freundlich ist. Wieso du? Ich kenne dich doch gar nicht, ich weiss nicht, wer du bist, wen du geliebt hast, was du denkst, was du fühlst. Ich kenne dich nicht, ich weiss nicht, wer du bist – aber trotzdem lässt mich dein Anblick erstarren. Er erfüllt mich.

Unbeschreiblich. Unbegreiflich. Atemberaubend. Aber dieses Gefühl ist trotzdem da.

Du bist doch nur ein Junge in meiner Schule, den ich nicht kenne. Ein Junge in meinem Kopf. Der unscheinbare, unsichtbare Junge. Bist du überhaupt da?

Ich denk an dich, wenn ich an nichts denke. Du bist ein guter Mann, das spüre ich. Du bist ein anständiger Mann. Und oh, wie hinreissend du bist, wie geheimnisvoll. Meine Seele ist neugierig zu wissen, wer du bist. Du, der eine, den ich nicht einmal kenne. Den es nicht einmal gibt. Ich will wissen, was du von mir denkst, wie du mich findest. Du siehst mich nicht. Wie solltest du auch.

Ich bin zu anders. Du bist zu anders. Wir sind zu anders, zu unterschiedlich.

Wir sind doch nur zwei Menschen, die einander auf dem Pausenhof sehen, die einander durchdringend anschauen. Oder nicht?

Wir sind doch nur zwei Menschen, die einander kaum kennen. Du musst nichts tun. Du bist nur da. Unglaublich. Atemberaubend. Unbeschreiblich. Mysteriös.

Vielleicht gar nicht wirklich da?

Wenn der Mond dann mein Gesicht beleuchtet, muss ich an dich denken. Da muss ich lächeln, weil du anders bist als andere. Weil du einfach da bist. Ich kenne dich nicht. Ich kenne dich kaum. Eigentlich gar nicht. Aber du bist du. Ein Du in meinem Kopf, in meinen Gedanken, das gar nicht existiert, nicht besteht. Ich kenne dich nicht. Du kennst mich nicht.

Und so ist es gut, denke ich.

Mara Brügger schreibt für «und» über ihre Gedankenwelt. – Bild: zvg

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