«Biodeutscher» – ein schwer verdauliches Wort

Alle reden und schreiben und manchmal werden auch neue Wörter erfunden. Telsche Keese stolperte kürzlich über das Wort «Biodeutscher» und war entsetzt.

Biodeutscher. Haben Sie das schon gehört?

Zum zweiten Mal bin ich über ein neues Wort gestolpert, ein erstaunliches Gebilde, der Biodeutsche.

Unsere Sprache erlaubt das Zusammensetzen von mehreren Wörtern. Das geht wunderbar, «Gleichheitsgebot, Wutbürger oder Geschäftsprüfungskommission?» Sprache ist lebendig, wenn wir kein Wort für Neues haben, erfinden wir eins. So ist das.

Das Wort Biodeutscher fiel beim Thema Migration. Es rumorte tüchtig  in meinem Kopf und herauskam: Das ist kein «Newcomer», der neu im Land ist, es ist ein Alteingesessener, ein Einheimischer, einem alten Rebstock vergleichbar, verwachsen mit der Erde, der Früchte trägt und nur das kennt, eben: ein altes Traditionsgewächs.

Biodeutscher? Ein schwerverdauliches Wort.

Bei den Lebensmitteln ist es klar, was Bio bedeutet: naturbelassen, vollwertig, keine Farbzusätze, nur echt mit Gütesiegel. Weiter darf ich nicht denken, denn plötzlich blitzt hinter dem Wort die grässliche Fratze von Hitlers Rassenwahn auf und reisst eine ganze Reihe anderer Wörter mit sich: «Besser, minderwertig, überlegen bis zu Daseinsberechtigung.» Ein einheimischer Deutscher ein besserer, ein Flüchtling ein minderwertiger Mensch? Diese Wertung ist unzulässig für alle, die die Menschenrechte anerkennen.

Menschen sind Menschen, nichts anderes, auf jeden Fall keine Bioware.

Entschuldigen Sie, ich habe das Wort nicht erfunden.

Sie hat ein Wort aufgeschnappt: Telsche Keese. – Bild: Manuel Meister

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