«Könnte ich doch pferdisch»

Pferde werden geritten, gepflegt, geliebt – aber auch misshandelt. Hans Schmutz setzt sich für einen behutsamen und respektvollen Umgang mit den sensiblen Tieren ein: Besuch bei einem, der die Pferde versteht.

Darleen Pfister (14), Werner Kaiser (79)

Warum halten Sie Pferde?
Hans Schmutz: Das war schon als Kind mein Wunsch sass ich mit zwei Jahren auf einem Pferd. Mit zehn kaufte ich mir von meinem Taschengeld einen Esel. Für ein Pferd hätte es nicht gereicht.

Was haben Sie über Pferdehaltung in Ihrer Kindheit gelernt?
Immer schon dachte ich, mit einem Pferd möchte ich umgehen wie mit einem Hund, der mir ja auch ohne Leine folgt. Dann habe ich immer hinzugelernt, habe meine eigene Pferde-Philosophie ausgebaut.

Das Wohl des Tieres zählt für ihn: Bei Hans Schmutz auf seiner Ranch in Rubigen. – Bilder: Marine Collardot

Warum Pferde und nicht ein anderes Tier – zum Beispiel Hasen?
Ich liebe alle Tiere, ich setze mich auch ein gegen das Stopfen der Gänse oder gegen Stierkämpfe. Für das Pferd empfinde ich einfach eine grössere, eine besondere Sympathie.

Hatten Sie ein Vorbild?
Meine Philosophie habe ich mir selber aufgebaut. Aber natürlich kenne ich Leute, die gut mit Pferden umgehen und habe von ihnen gelernt. Ich denke da vor allem an Fredy Knie senior, Jean-François Pignon oder Monty Roberts. Mit ihnen allen hatte ich Kontakt.

Wie ist Ihr Reitstil? Praktizieren Sie das Westernreiten?
Western ist die pferdefreundlichste Art zu reiten. Aber auch da gibt es Disziplinen, die mir nicht gefallen. Es geht da um Rekorde. Die Pferde müssen viel trainieren. Früher ging ich an Turniere. Ich reite Pferde so komfortabel wie möglich. Jährlich mache ich eine grosse Wanderung, von einem bekannten Platz im Ausland bis zum Bundesplatz in Bern. Kein Galopp, kein Trab. Einen Viertel der Strecke gehe ich jeweils zu Fuss neben dem Pferd, aus Respekt vor ihm und weil es auch mir gut tut.

Bild: Marine Collardot

Was ist Ihnen wichtig bei der Pferdehaltung?
Dem Pferd muss es gut gehen. Es muss in seinen Unterstand gehen, abliegen, trinken, auf der Weide sein können, wann immer es will.

Gibt es für Sie bezüglich Pferdehaltung noch zu lernen?
Ja, ich möchte pferdisch reden können (lacht). Ich möchte rechtzeitig spüren, wenn es dem Pferd nicht gut geht. Pferde schicken täglich Telegramme. Ich möchte sie entziffern können. Ein Beispiel: Ich streichelte einmal ein Fohlen, während es am Euter seiner Mutter trank. Sie zeigte mir sanft mit dem Fuss an, dass ich das nicht tun soll. In solchen Dingen hat man nie ausgelernt.

Arbeiten Sie auch mit fremden Pferden?
Lieber nicht. Gelegentlich kommen Leute mit Pferden zu mir, die schlagen oder beissen. Ich zeige ihnen, wie ich mit ihnen umgehe. Böse Pferde gibt es ja nicht. Es gibt nur Leute, die ihre Pferde nicht verstehen oder die den Alpha-Rang abgegeben haben. Aber lieber schenke ich meine Zeit den eigenen Tieren.

Im Gespräch mit Darleen Pfister: Hans Schmutz. – Bild: Marine Collardot

Was würden Sie in der Pferdebranche ändern?
Alles. Spass beiseite, ich würde alle brutalen Sportarten verbieten. Springen ist für ein Pferd absolut nicht normal. Seine Fesseln sind nicht geeignet dafür. Springen oder Galoppieren belastet die Fesseln mit bis zu 2,5 Tonnen. Das müssten zumindest die Sportmediziner wissen. Pferde haben auch schlechte Tage, Stuten haben die Periode. All das wird nicht berücksichtigt.

Was verstehen Sie unter dem Begriff «Pferdeflüsterer»?
Das gibt es nicht. Man nennt mich gelegentlich so, aber ich flüstere nicht. Es ist ein Modewort. Ich kann mit Pferden umgehen, das ist alles. Jeder könnte das. Ich habe kein spezielles Wort dafür. Man könnte sagen, ich sei ein Horseman oder ein Horseboy. Die Bezeichnung tut nichts zur Sache. ☐

Hans Schmutz (66) wohnt auf seiner «Magic Vision Ranch» in Rubigen. Er setzt sich ein für einen gerechten Umgang mit Pferden. Auf seiner Ranch kann er diese Philosophie umsetzen. Er ist Autor zweier Bücher: «Dein Pferd ist was du bist» und «Wissenswertes im Umgang mit Pferden».


«Ich bin ein Pferdemädchen»

Liest Pferdebücher rauf und runter: Darleen Pfister. – Bild: Marine Collardot

Darleen Pfister (14)

Es war ein eiskalter Freitagmorgen, als wir Hans Schmutz auf der «Magic Vision Ranch» besuchten. Ich freute mich darauf, ihn endlich kennenzulernen. Hans Schmutz hatte mich schon längere Zeit fasziniert. Es gibt nicht so viele Horsemen, wie man in der Reitersprache sagt.

Ich bin schon sehr lange ein Pferdemädchen und lese Pferdebücher rauf und runter. Darunter auch das von Hans Schmutz, «Wissenswertes im Umgang mit Pferden».
Ich lernte auch mit der pferdefreundlichen Reitweise, genannt Natural Horsemanship, reiten. Schon da wurde mir beigebracht, dass man mit Pferden keine Gewalt braucht. Damals war ich etwa sieben Jahre alt und dachte, dass alle Pferde so gut behandelt würden.
Als ich älter wurde, sah ich im Internet die Wirklichkeit. Die harten Trensen, die langen Sporen und Pferde, die litten, liessen mich wissen, dass in der Pferdewelt nicht alles schön ist. Zu dieser Zeit hasste ich alle, die mit diesen Hilfsmitteln ritten.
Heute sehe ich es nicht mehr so schwarz-weiss. Ich finde Sporen und Gerten okay, wenn sie richtig benutzt werden. Das gibt es selten, aber das gibt es. Ich reite auch mit Gerte und nutze sie als verlängerten Arm.
Auf der Ranch lernte ich die zwei Pferde, genannt Müsli und Princess, kennen. Beide in wunderschönen Farben.
Die zwei leben in einem Paradies. Es hat einen Sandplatz, der aber als Spielplatz genutzt wird. Hans Schmutz arbeitet auf dem Platz nicht, er spielt. Es liegt sogar ein Gymnastikball zum Spielen herum. Auch den Pferdepool hat er nicht vergessen.
Beide Pferde haben ihren Fressständer, damit jedes Tier die geeignete Portion Futter bekommt.
Ich hoffe, dass sich immer mehr Leute für das Wohl der Pferde inte-
ressieren und sie nicht wie Sportgeräte behandeln. Hans Schmutz geht da mit gutem Beispiel voran. ☐

Antworten