Nicht laut, aber klar: Begegnung mit Stephanie Gartenmann

Nicht laut, aber klar: Begegnung mit Stephanie Gartenmann

Sie ist jung, konservativ – und steht auf Bühnen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: im Bundeshaus, auf dem Reitplatz, im Podcaststudio. Zwischen Jura, Social Media und Stallarbeit bleibt Steffi Gartenmann klar in der Haltung, verbindlich im Ton und überraschend humorvoll. Bei «Begegnung mit…» gab sie Einblick in ein politisches Leben jenseits der Klischees.

Begegnung mit Stephanie Gartenmann
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Stephanie Gartenmann im Porträt – eine junge Frau, die konservative Politik macht, Esel liebt, im Theater aufgewachsen ist und ihre politische Stimme heute zwischen Bundeshaus und Instagram erhebt. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Begegnung mit…» gewährte sie am 19. Juni 2025 einem interessierten Publikum persönliche Einblicke – direkt, reflektiert und mit einem feinen Gespür für Zwischentöne.

Mit Ruhe und Neugier: Heidi Bühler-Naef führte durch den Abend – offen, zugewandt und ohne Konfrontation.
Bild: UND Generationentandem

Durch den Abend führte Heidi Bühler-Naef (71), mit ruhiger Präsenz, klarem Blick und spürbarem Interesse am Gegenüber. Es war kein Streitgespräch, kein politisches Duell – sondern ein persönliches Kennenlernen.

Politik von klein auf – aber selbst gewählt

Mit 15 trat sie der Jungen SVP bei, inzwischen ist sie Generalsekretärin und Kuratoriumsmitglied eines überparteilichen Thinktanks. Dass beide Eltern in der SVP aktiv sind, beschreibt sie nicht als Druck, sondern als Einladung zum Diskutieren. Der Schritt in die Politik sei kein Automatismus gewesen – sondern eine bewusste Entscheidung nach eigenem Nachdenken. Ihr Stil: verbindlich im Ton, entschieden in der Sache – und deutlich weniger provokativ als jener ihres Vaters, der auf Social Media gern pointiert zuspitzt.

Jurastudentin mit Stallgeruch

Stephanie Gartenmann steht kurz vor dem Abschluss ihres Jurastudiums. Doch der Juristinnenalltag wird bei ihr ergänzt durch Stallluft: Sie reitet seit ihrer Jugend, hilft im Stall mit, hat unzählige Sommer mit Misten und Füttern verbracht. Für sie kein Gegensatz, sondern Balance. Der Reitplatz als Gegenwelt zum politischen Parkett.

Zwischen Haltung und Leichtigkeit: Steffi Gartenmann gab Einblicke in ihr politisches Denken.
Bild: UND Generationentandem

Medienarbeit zwischen Podcast und Selbstironie

Ob im Podcast «Nebelspalterin» oder auf Instagram – Stephanie Gartenmann nutzt digitale Kanäle nicht zur Selbstinszenierung, sondern zur Vermittlung. Sie erklärt politische Vorgänge, kommentiert aktuelle Debatten und erlaubt dabei auch mal einen Seitenblick auf die eigenen Absätze – etwa wenn sie augenzwinkernd erklärt, warum sie bei politischen Podien manchmal auf Absatzschuhe setzt: Augenhöhe, ganz praktisch gedacht.

Theatererfahrung als Auftrittstraining

Zehn Jahre lang stand sie als Kind und Jugendliche auf der Bühne. Diese Erfahrung habe ihr geholfen, in der Öffentlichkeit souverän aufzutreten – auch unter Druck. Auftritte in Formaten wie der SRF-«Arena» meistert sie ruhig und fokussiert, ohne mediales Coaching, dafür mit Vorbereitung, Haltung – und Humor.

Lachen gehört dazu: Steffi Gartenmann zeigte sich persönlich, pointiert – und mit spürbarer Freude am Gespräch
Bild: UND Generationentandem

Konservativ, aber nicht unflexibel

Stephanie Gartenmann steht zu ihrer konservativen Haltung. Für sie bedeutet das nicht Stillstand, sondern Verantwortungsbewusstsein, Eigenständigkeit und eine Offenheit, die nicht jedem Trend sofort folgt. Sie setzt auf Bewährtes, denkt aber auch mit. Sie sagt: «Man muss nicht alles neu erfinden – aber man darf überdenken, was nicht mehr trägt.»

Zwischen Bundeshaus und Tierwohl

Neben ihrer politischen Arbeit engagiert sich Stephanie Gartenmann in der Eselmüller Stiftung, die alten oder schlecht gehaltenen Eseln ein Zuhause gibt. Die Charaktereigenschaften des Esels – vorsichtig, klug, treu – beschreibt sie augenzwinkernd als identitätsstiftend. Ihr Engagement in Politik und Tierschutz sei kein Gegensatz – sondern Ausdruck desselben Kompasses.

Input von «Generation Gemeinderat»

Als Teil des Abends präsentierte eine Studierendengruppe der HKB ihr Projekt «Generation Gemeinderat» – ein kurzer, pointierter Input zur Nachwuchsförderung in der Lokalpolitik. Die Idee: Mit Humor und Kreativität jungen Menschen Mut machen, sich politisch zu engagieren – zum Beispiel mit einem Kartenspiel à la «Cards Against Humanity», aber mit Gemeindethemen. Eine sympathische Intervention, die Gartenmanns Botschaft ergänzte: Mitreden beginnt nicht in Bern, sondern oft vor der eigenen Haustür.

Du chasch das imfau oh: Partyzipationsspiel von Generation Gemeinderat.
Bild: Verein Generation Gemeinderat

Politik beginnt im Kleinen

Stephanie Gartenmann betont: Nicht jede:r müsse ein Mandat anstreben. Aber jeder könne sich einbringen – in der Gemeinde, im Verein, im Alltag. Die Schweiz brauche keine Berufspolitikerinnen, sondern Menschen mit Haltung. Ihre eigene Motivation? «Ich will etwas beitragen – nicht aus Eitelkeit, sondern weil ich an dieses Land glaube.»

Ein Abend zwischen Klartext und Neugier

Der Apéro im Garten bildete den Abschluss eines vielseitigen Abends. Zwischen Generationen, Meinungen und Lebensentwürfen entstand ein Gespräch – offen, respektvoll, getragen von der Lust am Austausch. Die Gesprächsführung von Heidi Bühler-Naef unterstrich diesen Ton: nicht konfrontativ, sondern zugewandt, neugierig, auf Resonanz bedacht.

Was bleibt? Eine junge Frau, die Konventionen nicht scheut, aber auch nicht nachplappert. Die konservativ ist, ohne veraltet zu wirken. Die Esel liebt, Jura studiert, auf den unterschiedlichsten Bühnen steht – und zeigt: Haltung hat viele Gesichter.

Zwischen den Zeilen: Ein Abend ohne Schlagabtausch – dafür mit viel Raum für Fragen, Biografisches und gemeinsame Töne.
Bild: UND Generationentandem

Und doch bleibt ein offener Punkt: Stephanie Gartenmann gehört einer Partei an, die mit scharfer Rhetorik, polarisierenden Kampagnen und Grenzüberschreitungen immer wieder für Kritik sorgt. An diesem Abend blieb das aussen vor – ganz bewusst. Die Begegnung zielte nicht auf politische Konfrontation, sondern auf ein persönliches Porträt.

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