Was ist uns unsere Kleidung wert?

Was ist uns unsere Kleidung wert?

Leute machen Kleider. Kleider machen Leute. Wir alle tragen sie in unserem Alltag. Aber was ist beim Kleiderkauf wichtig?

2025 wurden in der Schweiz pro Person 22 Kilogramm neue Kleidung importiert. Das entspricht etwa 60 neuen Kleidungsstücken pro Person. Welche Folgen hat das für die Millionen von Menschen, die weltweit in der Textil- und Bekleidungsbranche arbeiten? Welche Konsequenzen hat es für die Umwelt, sei es in der Produktion oder in der Verbrennung riesiger Abfallberge aus Kleidern?

Miese Arbeitsbedingungen

Die Kleidung wird oft nicht ethisch produziert. Arbeiter:innen arbeiten häufig unter schlechten, gesundheitsschädigenden Bedingungen und werden dazu noch schlecht bezahlt.

Im November 2025 interviewte das BBC Mitarbeitende des Online-Händlers SHEIN. In den Fabriken schuften sie für wenig Lohn; manche haben nur einen freien Tag im Monat – ein klarer Verstoss gegen das chinesische Arbeitsrecht, das wöchentliche Ruhezeiten vorschreibt. Bezahlt wird pro Stück (ein bis zwei Yuan). Der Monatslohn schwankt zwischen 4’000 und 10’000 Yuan und liegt damit oft unter dem existenzsichernden Minimum von 6’000 Yuan.

Der Preis für die Umwelt

Viele Textilien basieren auf nicht nachhaltigen Rohstoffen. Da die billig produzierte Ware zudem schnell verschleisst, entstehen riesige, nicht kompostierbare Abfallberge. Ein weiteres Problem: Synthetikfasern setzen Mikroplastik frei und schaden so Mensch, Tier und Natur. Laut WWF stammen 65 Prozent aller Fasern aus Erdöl (zum Beispiel Polyester, Polyamid). Als Alternative gelten Bio-Baumwolle, Hanf, Lyocell oder innovative Stoffe aus Pflanzenabfällen wie Sojaseide.

Die Konsequenz von Fast Fashion: Viel Kleidung landet schlussendlich in der Natur.
Bild: unsplash

Wachstum ohne Grenzen

Zu den Billig-Produzenten gehören nebst SHEIN auch AliExpress und Temu. Obwohl sie oft in der Kritik stehen, bekommen sie noch immer neue Kund:innen: Laut Public Eye hatte SHEIN auf Instagram 2021 22 Millionen Abonnenten, heute sind es 41,3 – das heisst, viele Leute mögen die Kleidung trotzdem.

Billige Kleidung auf diesen Plattformen kann auch zu Überkonsum führen. Da sehr billig verkauft wird, kann man mit 200 Franken sehr viele Kleider kaufen, die man vielleicht später nicht mehr trägt, weil sie nicht mehr im Trend sind. Diese Kleidung wird dann oft weggeworfen oder an Brockenhäuser abgegeben.

Die Umfrage

Ich wollte wissen, was Menschen beim Kleiderkauf priorisieren. Dafür verbreitete ich meine Umfrage im Gruppenchat von UND Generationentandem sowie auf dessen Instagram-Kanal.

Von den 81 Teilnehmenden identifizierten sich 62 als weiblich, 18 als männlich und eine als divers.

Die grösste Altersgruppe umfasste die 70- bis 79-Jährigen (34.6 Prozent), danach die 60- bis 69-Jährigen (25.9 Prozent). Am kleinsten waren die Altersgruppen der über 80-Jährigen und der unter 20-Jährigen.

Wo kaufen die Befragten ein?

Am häufigsten wird im Kleidergeschäft eingekauft, danach folgen Brockenhäuser und Online-Shops. Weitere genannte Möglichkeiten sind Kleidertausch, das Tragen alter Kleidung von Verwandten, Selbernähen oder Plattformen wie Ricardo. Manche geben auch an, grundsätzlich nur bei Bedarf neue Kleidung zu kaufen.

Durchstöbern und Entdecken: Secondhand statt Fast Fashion schont die Umwelt und den Geldbeutel.
Bild: Elias Rüegsegger

Was ist beim Kleiderkauf am wichtigsten?

Am wichtigsten für die Teilnehmenden ist, dass die Kleidung der Figur gut steht – 71,6 Prozent haben dies als ihre Priorität genannt. Besonders für Frauen gibt es dazu viele Ratgeber, die aufzeigen, welche Kleidung welcher Figur gut steht.
Am zweitwichtigsten ist das Material: 70,4 Prozent finden es wichtig, dass ihre Kleidung aus nachhaltigen Stoffen besteht; zusätzlich teilten viele mit, dass ihnen auch die Qualität der Kleidung am Herzen liegt.

Ebenfalls priorisieren die Teilnehmer:innen oft die Bequemlichkeit. Dabei sind sie sich aber nicht einig, was genau als bequem oder unbequem gilt. Etwas mehr als die Hälfte gibt an, dass die Kleidung schön sein sollte.

Welchen Einfluss hat das Alter auf den Kleiderkauf?

Die Umfrage zeigt: Das Interesse am Online-Shopping nimmt bei den über 60-Jährigen stetig ab. Ab 80 kauft niemand mehr im Netz ein. Andere Studien zum Online-Handel bestätigen diesen Trend: Am meisten kaufen die 18- bis 27-Jährigen online.

Secondhand-Schätze: Kleidung ein zweites Leben schenken, statt Ressourcen zu verschwenden.
Bild: Elias Rüegsegger

Wie gut bildet die Umfrage die Gesamtgesellschaft ab?

Die Umfrage ist nicht repräsentativ, da sie eher von älteren Personen ausgefüllt wurde und auch weil die Umfrage durch UND Generationentandem durchgeführt wurde.

Was ist für mich beim Kleiderkauf wichtig?

Ich versuche, nicht zu häufig Kleidung zu kaufen, aber manchmal gefällt es mir doch, Neues zu erwerben. Dabei achte ich darauf, keine Fast Fashion zu unterstützen, und greife deshalb eher auf Secondhand-Kleidung oder ethisch produzierte Stücke zurück. Ich kaufe lieber im Laden als online, denn dort kann ich besser herausfinden, was mir steht – gerade bei Oberteilen ist es sonst schwierig, die Passform zu beurteilen. Auch die Bequemlichkeit lässt sich im Geschäft direkter testen. Bei manchen Stoffen stört mich enge Kleidung weniger als bei anderen; besonders unter den Achseln darf es nicht zu stark einschnüren. Wichtig ist mir zudem, dass mir die Kleidung optisch gefällt: Wenn mich Muster oder Farben ansprechen, bin ich eher bereit, sie zu kaufen. Ich versuche, stärker auf meine eigenen Vorlieben zu hören als auf Trends, aber ganz lassen sie mich auch nicht unbeeinflusst.

Vorschläge zum Kleiderkauf

Um Überkonsum zu vermeiden, lohnt es sich, Impulskäufe zu reduzieren und neue Kleidung nur dann zu erwerben, wenn sie wirklich benötigt wird. Zudem trägt es zur Nachhaltigkeit bei, die eigenen Sachen lange zu nutzen und sie zu reparieren. Wer die Überproduktion nicht unterstützen möchte, kann Kleidertauschbörsen, Brockenhäuser oder Secondhand-Läden besuchen.

Folgende Anlaufstellen für Secondhand-Kleidung gibt es in der Region: Kla-Motten in Steffisburg, das Brockenhaus des Blauen Kreuzes, die HIOB-Grossbrockenstube und das Forum Secondhand. Kleidertauschbörsen in Thun werden beispielsweise von den OHNI-Werkstätten (9. Oktober 2026), dem Lerchenfeld-Leist (24. Oktober 2026) sowie der reformierten Kirche (17. Oktober 2026) angeboten.

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