Wie können sich junge Menschen einbringen und dafür sorgen, dass Politik kein Altherrenverein bleibt? Weshalb ist es wichtig, über die verschiedenen Geschlechtsidentitäten nachzudenken? Wie bleibt man selbst bei Hatespeach ruhig? Die Nationalrätin, LGBTQ-Aktivistin und Feministin kommt am 19. Oktober zu Talk und Workshop ins Offene Höchhus. Save the date für «Begegnung mit Anna Rosenwasser».
Der Himmel blau, die Bundeshauskuppel golden und die Sicherheitsvorrichtungen gigantisch: Der Präsident des Ukrainischen Parlaments ist im Rahmen der Bürgenstockkonferenz vor Ort und Lea Schütz (21) und ich (70) treffen Anna Rosenwasser im Bundeshaus. Wir haben ihre Einladung, um Ablauf und Inhalte des grossen Tags «Begegnung mit… Anna Rosenwasser» vom 19. Oktober im Offenen Höchhus zu besprechen.
Lea checkt ihr Handy vor den Absperrungen, nestelt ihre ID hervor, ich zeige den Polizisten unsere Einladung und dann geht’s ab in die sehr lange Warteschlange vor der Eingangskontrolle auf der Bundeshausterrasse. Ich schicke Anna Rosenwassers persönlichem Mitarbeiter, Timothy Oesch, eine Mail, dass es dauern könnte und wir es eventuell nicht pünktlich auf 9.30 schaffen werden.
Timothy Oesch, bereits geübt im Parlamentsbetrieb, richtet es, dass wir dennoch «sicherheitsgebadget» und pünktlich an einem der auf Hochglanz polierten Besprechungstische im Café des Alpes sitzen, vor uns hübsch designte Wasserfläschchen und unsere Bildschirme. Das Gespräch mit Timothy lässt sich wunderbar an, freundlich, offen, humorvoll, zielstrebig. Anna sitze noch im Nationalrat, die Abstimmung zum EGMR-Urteil sei noch im Gange, sie komme aber demnächst. Es läutet wie einst im Schulhaus: Zeichen zur Abstimmung. Um uns herum wuseln Menschen mit Gesichtern, die wir aus den Medien kennen, alle mit Aktentaschen und einsatzbereiten Handys. Stimmen schwirren, Augen weifen, viele Handzeichen von begeistert über jovial bis abwesend. Der Lärmpegel ist beträchtlich.
Und dann hebt Timothy Oesch den Kopf, es entsteht eine kurze Pause: Anna Rosenwasser steht vor uns, streckt die Hand entgegen: «Ich bin Anna.»
Lea und ich erzählen, was UND Generationentandem ist, bestücken sie mit Unterlagen und sehen begeistert, wie Anna nach drei Wochen Session und vielen und unterschiedlich heftigen Themen auch für uns und unsere Anliegen ein offenes Ohr – nein, zwei offene Ohren hat, uns bestärkt und ergänzt. Ja, anstrengend seien drei Sessionswochen schon. Doch sie sei glücklich, noch so fit zu sein, nach drei Sessionen sei sie doch schon ganz gut trainiert.
Sie freue sich auf Steffisburg, sie hätte auch schon in Thun sprechen dürfen. Seit Jahren setze sie sich dafür ein, mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen, um alle und generationenübergreifend für unterschiedliche Lebensformen zu sensibilisieren. Erst als LGBTQ-Aktivistin und Feministin, jetzt auch als Zürcher Nationalrätin (SP). Anna Rosenwasser ist überzeugt, dass ihre Themen alle Generationen berühren und betreffen. Sie möchte sich allfälligen Differenzen stellen und aufzeigen, wie man miteinander im Gespräch bleiben und sich eventuell annähern kann.
Im Talk am Vormittag vom 19. Oktober wird sie über sich persönlich sprechen, über ihre Erfahrungen nach drei Sessionen im Bundeshaus berichten und darüber, was sie seit Jahren antreibt.
Im Workshop am Nachmittag des 19. Oktobers möchte sie nach Absprache mit unserer Vorbereitungsgruppe drei Schwerpunkte setzen:
Ich streite für etwas, nicht gegen etwas.
Anna Rosenwasser
Nun noch Fotos und Filmaufnahmen: Dazu geht’s um die Ecke, treppenabwärts, an weiteren Kontrollen vorbei, ins Vorzimmer, eine Art Grossraumbüro. Timothy Oesch voran, Lea und Anna Rosenwasser folgen, eifrig ins Gespräch vertieft. Lea scheint auf Wolken zu gehen. Ich – auch etwas auf Wolken – betrachte die beiden jungen, wachen Frauen und freue mich einfach nur, als ältere Frau ein Teil von UND Generationentandem zu sein und solche Tage zu erleben.