
Von den bunten Tigergesichtern der Kinder bis zu den leisen Liedern von Tinu Heiniger: Das 7. Generationenfestival in Thun war ein Fest der Begegnungen. Über 5’500 Menschen feierten drei Tage lang miteinander – jung und alt, bunt und vielfältig, laut und leise.
Mittwoch, 17.09.2025
«Es isch Füfi, das isch sGenerationenfestival vo UND Generationentandem.» Mit diesen Worten eröffneten Luc Marolf (20) und Heidi Bühler-Naef (72) am Freitagabend das siebte Generationenfestival von UND Generationentandem.
Jung und Alt, Schüler:innen, Grosseltern, Familien, Kulturbegeisterte und Neugierige strömten von da an drei Tage lang auf das Seefeldareal. Was folgte, war ein Wochenende voller Begegnungen – laut und leise, gemütlich und ausgelassen, getragen von kleinen Momenten, die gross wurden.
Schon beim ersten Rundgang wurde klar: Hier geht es nicht um Spektakel, sondern um das Miteinander. Auf dem Generationenmärit, der mit 84 Organisationen so gross war wie nie, herrschte früh am Morgen reges Treiben. Menschen probierten Neues aus, diskutierten, knüpften Begegnungsbändeli, die später getauscht wurden.
Kinder drängten sich zum Kinderschminken, wo Amina und weitere junge Engagierte mit ruhiger Hand Tiger, Blumen und Eisprinzessinnen auf strahlende Gesichter zauberte. Am Stand von Mina Kosmos konnten Männer wie Frauen spüren, wie sich Periodenschmerzen anfühlen. Und gleich daneben liess ein Blindenhund eindrücklich erahnen, wie eng Vertrauen und Zusammenarbeit sein können.
Überall auf dem Areal blitzten diese besonderen Augenblicke auf.
Ein kleines Mädchen warf ihre Münze in die Kollekte. Ein Hundebesitzer erklärte, warum Beziehung das Wichtigste sei – bei Tieren wie bei Menschen. Helfer:innen spülten im Hintergrund unermüdlich Geschirr, während Ruth Gysel trotz Hexenschuss das Küchenteam mit feiner Suppe, Curry oder Chili sin Carne versorgte.
Und mitten im Gewusel koordinierten Theresa Lipper (30) und Elias Rüegsegger (31) die Einsätze der fast 200 Freiwilligen. Sie rannten, organisierten, beruhigten oder sprangen kurzerhand selbst ein – und wurden zu unverzichtbaren Schaltstellen eines Festivals, das ohne Engagement nicht denkbar wäre.
Auch die Tombola zeigte, wie viel Begeisterung in diesem Festival steckt. 7000 Lösli wurden verkauft, 700 Preise wechselten die Besitzer:innen, und schon am Samstagabend waren alle Lösli ausverkauft. Der Hauptpreis, ein Velo, sorgte bis zum Schluss für Spannung.
Dann wieder zog es die Menschen zur Musik. Am Freitag liessen Hip-Hop-Beats den Roten Platz beben, am Samstag tanzten Hunderte zu Roberto Brigante. Über tausend Menschen hielten sich zeitweise gleichzeitig auf dem Gelände – ein lebendiges Gewimmel. Und am Sonntagmorgen, fast schon in der Tradition, stand Tinu Heiniger auf der Bühne. Mehr als 600 Besucher:innen lauschten ihm, viele mit ihm alt geworden, alle gebannt von seiner ruhigen Präsenz. Nach seinem Auftritt lag eine besondere Gelassenheit über dem Areal, als hätte er die Zeit für einen Moment angehalten.
Auch die Tiere des Erlebnishofs Hatti gehörten wieder dazu. Ziegen und Schafe liessen sich geduldig streicheln, während Kinder zwischen Ständen und Strohballen herumtollten. Am Abend, wenn die Sonne unterging, lag noch immer Musik über dem Gelände, während Helfer:innen und Besucher:innen zwischen Foodständen und Bühnen verweilten. Tabea Keller (26), die die Infostände und Eingänge koordinierte, brachte das Gefühl einmal so auf den Punkt: «Es ist wie wenn wir in einer Bubble sind.» Auch Demian Thurian, zuständig für den Strom, bemerkte das. Irgendwann, fast erschrocken, stellte er fest: «Ich habe seit drei Tagen keine Zeitung mehr gelesen.»
So entstand für ein Wochenende ein eigenes kleines Dorf mitten in Thun – ein Raum, in dem Begegnungen, Gespräche und Gemeinschaft im Vordergrund standen.
Am Sonntagmittag dann die Nachricht, die für Jubel sorgte: Mehr als 5’000 Besucher:innen waren gekommen – weit mehr als die 4’000, mit denen die Organisator:innen gerechnet hatten. Doch die Freude mischte sich mit Nachdenklichkeit. Denn während die Foodstände Rekorde verzeichneten und 1’500 Festivalbändeli verkauft wurden, war die Spendenbereitschaft bei der Kollekte ungewohnt zurückhaltend. Finanzverantwortliche Verena Allenbach sprach offen von Schwierigkeiten, Geschäftsleiter Elias Rüegsegger von der Notwendigkeit klarer Solidarität. Denn das Prinzip des freien Eintritts steht auf dem Spiel.
Und doch: Wer am Sonntagabend über das Gelände schlenderte, nahm vor allem Wärme mit. Noch immer herrschte Betrieb auf dem Gelände, während die Helfer:innen langsam erschöpft, aber zufrieden zusammenpackten.
Auf den ersten Blick war es ein Festival, auf den zweiten irgendwie mehr: ein sichtbares Zeichen dafür, dass Gemeinschaft lebt, wenn Menschen sie miteinander teilen.
Das siebte Generationenfestival in Thun hat gezeigt, wie wertvoll solche Orte sind. Orte, an denen Musik nicht nur gehört, sondern geteilt wird. An denen Tiere, Kinder, Grosseltern, Künstler:innen und Engagierte selbstverständlich nebeneinander Platz haben. Orte, an denen kleine Momente gross werden.