Steffisburgs politisches Speeddating: Ein Rückblick auf das Wahlforum in Steffisburg

Steffisburgs politisches Speeddating: Ein Rückblick auf das Wahlforum in Steffisburg

Lokalpolitiker:innen und Wähler:innen auf Tuchfühlung – 120 Menschen diskutierten beim Wahlforum von UND Generationentandem ziemlich genau einen Monat vor den Gemeindewahlen über die Zukunft Steffisburgs. Und Reto Jakob (SVP, bisher) sowie Yannick Ottmann (GLP) lieferten sich ein Wahlkämpfli ums Gemeindepräsidium. Ein persönlicher Rückblick von Daniel Rieder.

Anmerkung der Redaktion: Auf Wunsch der Beteiligten der SVP haben wir von den beiden SVP-Vertreter:innen vor Ort weder Bilder noch Video- oder Audioaufnahmen gemacht.

Während ich beim Aufbau fürs Wahlforum in Steffisburg am Montag, 27. Oktober 2026 helfe, frage ich mich, wie viele Stühle wohl besetzt sein werden. Es zeigt sich rasch, dass sich Steffisburger:innen für die Gemeindepolitik interessieren. Die Aula füllt sich. Schliesslich sind noch zusätzliche Sitzplätze bereitzustellen. Verena kann um die 120 Gäste begrüssen, den Tisch mit den Verwaltungsangestellten auf der Empore eingerechnet.

Verena Allenbach, Mitglied im Vorstand von UND Generationentandem – begrüsst die Besucher:innen und Politiker:innen.
Bild: Margitta Bürgin

Die Vorstellung der Parteien bleibt recht streng an den Parteiprogrammen. Die SP verkündet ihren Schwerpunkt Soziales, die EVP spiele das Zünglein an der Waage, die EDU verweist noch aufs Mühlerad als konkreten Erfolg ihres Politisierens, SVP und FDP ist die Wirtschaft wichtig, die Mitte will zuhören. Das Statement der Mitte fällt auf, indem Michael Rüfenacht fast ausschliesslich Fragen ans Publikum stellt. Und die Vertreter der FDP gefallen durch ihr Frage-und-Antwort-Spiel. Die grossen Themen Finanzen, Schule und Wirtschaft werden mehrmals erwähnt.

Genau zwei Minuten bekam jede Partei um ihren Plan für Steffisburg vorzustellen. Hier Simon Linder (links) von der GLP.
Bild: Margitta Bürgin

Bei der Vorbereitung für die Moderation des Speeddatings habe ich mich von meiner Beschäftigung mit der Thuner Politik und von der Zeitungslektüre leiten lassen: Harte Fragen zur Asylunterkunft, zum übermächtigen Gemeindepräsidenten, ob ein seriöses Politisieren möglich ist, wenn nebenamtliche Gemeinderäte weniger als 2’500 Franken im Monat erhalten und das Amt des Vizepräsidium mit bloss 1/6 des Gemeindepräsidenten entschädigt wird, warum Fragen zur Asylunterkunft nur direkt an den Gemeindepräsidenten zu stellen sind. Und so weiter.

Doch Steffisburg ist nicht Thun.

Das für Besucher:innen-Fragen gedachte Papier auf meinem Tisch blieb lange leer und ich sah mich schon ausschliesslich mit meinem Fragebogen moderieren. Schliesslich konnten wir mit den Gemeindepolitik:erinnen doch ausnahmslos Fragen aus dem Publikum stellen: Badi, Schule, Finanzen, Dorfplatz, Buslinie 7. An der lebhaften Diskussion beteiligen sich alle. So wie an allen acht Tischen. Beim letzten Wahlforum in Thun musste ich Gäste auffordern, ihre Frage zu stellen. Steffisburg ist nicht Thun.

Wie Daniel Rieder moderierten noch sieben andere Freiwillige von UND Generationentandem an den Tischen das Speeddating mit den Parteien. In acht Runden wurden die Kandidierenden befragt. Wie haben sie den Abend erlebt?

Verena Allenbach: «Ein spielerisches Format, welches einen direkten Austausch zwischen den Bürger:innen, den Kandidierenden und Andersdenkenden ermöglicht hat. Halt einfach gelebte Demokratie. Wie kann Steffisburg für Jugendliche attraktiv werden, oder was passiert mit unnötig versiegelten Böden? Solche Fragen brennen unter den Nägel der Bürger:innen. Ob sie dazu die gewünschten Antworten erhalten haben, bleibt offen. Sicher ist aber, es wurde zugehört und diskutiert. Sehr wertvoll in diesen Zeiten»

8 Tische und 8 Minuten pro Runde: Das Speeddating in der Aula Schönau.
Bild: Margitta Bürgin
Beim Speeddating standen die Kandidierenden jeder Partei an jedem Tisch jeweils 8 Minuten Red und Antwort. Hier Urs Berger und Simon Habegger (Mitte) von der EDU.
Bild: Margitta Bürgin
Vom Dorfplatz, über die Badi, bis zur Wohnpolitik: Hier geben Yvonne Weber und Michael Rüfenacht von der Mitte Zulg Auskunft.
Bild: Margitta Bürgin

Der dringende Nachholbedarf bei der Sanierung der Schulhäuser wird von allen ohne Schuldzuweisung anerkannt. Selbst eine Steuererhöhung für deren Finanzierung wird von zwei Parteien nicht ausgeschlossen.

Politik braucht seine Zeit. Wenn ich eine Motion von 1998 in die Höhe halte, welche die Neugestaltung des Dorfplatzes verlangte und frage, ob wir in vier Jahren erneut über die Zukunft dieses Platzes diskutieren werden, nimmt niemand das Wort Schlafgemeinde in den Mund.

Kollegialer Talk zum Gemeindepräsidium

«Steffisburg soll nicht einschlafen», findet Yannick Ottmann von der GLP, der als Kandidat fürs Gemeindepräsidium antritt. Er sprach ausgesprochen kollegial mit dem Gemeindepräsidenten Reto Jakob.

Wird Yannick Ottmann (links) von der GLP Gemeindepräsident oder bleibt Reto Jakob von der SVP im Amt?
Bild: Margitta Bürgin

Am späten Abend beurteilten Politiker:innen und Publikum das Wahlforum als gutes Gefäss für den gelungenen Austausch. Das spielerische Format insbesondere des Speeddatings erlaubt den direkten Austausch. Man hat sich einander über alle Parteigrenzen hinweg aufmerksam zugehört. Steffisburg macht Politik mit Anstand. Auch der Paradiesvogel Nathan Richard von der Jungen Liste wird respektvoll in die Runde der Dorfpolitiker:innen aufgenommen. Steffisburg ist nicht Thun.

Die Politik in Steffisburg lebt und wird gelebt. Man spricht angenehm miteinander. Das habe ich als überraschend positiv empfunden. Die EVP will sich gegen Polarisierungen einsetzen. Wenn der Schein nicht trügt, ist das hier keine Notwendigkeit.

Es bleibt zu hoffen, dass die heute auf Stadtgrösse gewachsene Gemeinde die zukünftigen grossen Herausforderungen mit diesem bedachten, auf Ausgewogenheit bedachten Vorgehen rasch genug angehen kann.

8 Minuten pro Runde sind sehr schnell vorbei, die Antworten müssen kurz und knapp sein: SP-Politiker Sebastian Rüthy und Nathan Richard von der Jungen Linken Liste.
Bild: Margitta Bürgin
Was würdest du tun, wenn du einen Tag einfach durchregieren könntest? Zu solchen und ähnlichen Fragen äusserten sich auch Anne-Käthi Bähler und Patrick Bachmann von der EVP.
Bild: Margitta Bürgin
Alexa Gauchat und Adrian Carrera, beide für die GLP im Grossen Gemeinderat bei der Schlussrunde.
Bild: Margitta Bürgin
Der Abend etwa einen Monat vor den Wahlen lebte von der aktiven Beteiligung der Stimmbürger:innen. Hier am Tisch mit Beatrice Feuz (dritte von links) und Koni Moser (rechts) von der FDP.
Bild: Margitta Bürgin
Beim Apéro im Anschluss, inklusive «Chäs-Igeli» gingen die Gespräche weiter.
Bild: Margitta Bürgin
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