Wenn aus Wasser und Klängen Bilder entstehen

Wenn aus Wasser und Klängen Bilder entstehen

Was haben die Form einer Blüte, das Muster eines Tierfells und die Struktur einer bewegten Wasseroberfläche gemeinsam? Auf diese Frage versucht der Forscher und Künstler Alexander Lauterwasser (70) mit seinen Experimenten eine Antwort zu finden.

Schwingende Wassertropfen und Stehende Wellen

Hansruedi Käppeli (69)

Er ist Sachbuchautor, Wasserforscher und Medienkünstler: Alexander Lauterwasser. Was aber sind das für Experimente, mit denen er seit Jahrzehnten das Entstehen von Gestalt und Form untersucht und dokumentiert? Angefangen hat Lauterwasser damit, die Versuchsreihen des deutschen Physikers Chladni auf eine zeitgemässe Art zu wiederholen. Mit Hilfe eines Frequenzgenerators versetzt er eine dünne Metallplatte, die er mit feinem Sand bestreut, in Schwingung. Je nach Frequenz bilden die Sandkörner unterschiedliche Muster. Tiefe Töne ergeben grossflächige Strukturen, bei hohen Tönen formiert sich der Sand zu feinen Gittern, die eine verblüffende Ähnlichkeit zu Fellmustern von Tieren aufweisen.

Wie kommt der Leopard zu seinem Fleckenmuster? Das ist eine bis jetzt noch nicht schlüssig
geklärte Frage der Biologie. – Bild: Alexander Lauterwasser
Im Vergleich dazu: Muster Chladnischer Klangfiguren bei 10101 Hertz. – Bild: Alexander Lauterwasser

Da sich Wasser leicht in Schwingung versetzen lässt, hat Lauterwasser in einem zweiten Schritt damit begonnen, einen einzelnen Wassertropfen mit Frequenzen zwischen 40 und 120 Hertz in Schwingung zu versetzen. Durch die Beschallung beginnt sich das Wasser rhythmisch zu bewegen. Es bilden sich, je nach Tonhöhe, schwingende Drei-, Vier-, Fünf-, Sechs-, Siebenecke und weitere mehr.

Ein durch Schall in Schwingungen versetzter Wassertropfen formiert sich, je nach Tonhöhe, zu einem pulsierenden Vieleck mit unterschiedlicher Eckenzahl. – Bild: Alexander Lauterwasser

Wird an Stelle eines einzelnen Wassertropfens eine mit Wasser gefüllte Schale mit unterschiedlicher Tonhöhe bespielt, beginnen sich bei bestimmten Frequenzen mehrere Wellenmuster zu überlagern: Es bilden sich sogenannte «Stehende Wellen». Die Muster, die dabei entstehen, haben eine auffällige Ähnlichkeit, ja eine offensichtliche Formverwandtschaft mit Blattrosetten und Blüten. Damit offenbaren Wasserklangbilder das Entstehen geometrischer Ur-Muster, wie sie überall in der Natur zu finden sind. Lauterwasser sinniert: «Jedes Lebewesen hat seine eigene Schwingung und bildet diese in seiner äusseren Gestalt ab.»

«Stehende Welle» mit bipolarer Dreiecksstruktur, 28,9 Hertz. – Bild: Alexander Lauterwasser
Lilienblüte mit zwei bipolaren 3-zähligen Blütenblättern. – Bild: Alexander Lauterwasser

Wasserklangbilder, gestaltet von Musik

Mara Maria Möritz (24)

Die vorhergegangenen Gestaltungsphänomene sind durch eine gleichbleibende Frequenz entstanden. Wenn Musik – also viele, sich überlagernde und wechselnde Frequenzen – auf Wasser einwirkt, zaubert das Wasser eine fast unerschöpfliche Fülle vielgestaltiger Formen, Muster und Bilder hervor.

Ein spezieller Schallwandler bringt sehr dünne und leichte Gefässe verschiedenster Formen, die mit destilliertem Wasser gefüllt sind, von unten her durch Musik zum Schwingen. Über Lichtreflektionen können die Wellenbewegungen des Wassers sichtbar gemacht und fotografiert oder gefilmt werden. Zu sehen ist nicht die Musik selbst, sondern die Antwort des Wassers auf die Klangschwingungen.

Eindrucksvoll kann erlebt werden, wie differenziert und schnell das sensible Wasser mit unterschiedlichsten Wellenstrukturen auf den ständigen Fluss der Töne reagiert.

Drei Bilder des Stücks «Licht-Wasser» von Karlheinz Stockhausen. – Bild: Alexander Lauterwasser
Bild: Alexander Lauterwasser
Bild: Alexander Lauterwasser

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