Dienstag, 26.05.2026
Die Generation Z steht im Fokus: Zwischen Social-Media-Druck und Zukunftsängsten suchen junge Menschen nach ihrem Platz. Das Generationenforum von UND Generationentandems brachte Jung und Alt zusammen, um Klischees zu hinterfragen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
«Pandemie», «Krieg», «TikTok» – doch daneben auch «Work-Life-Balance». Noch bevor die Podiumsdiskussion beginnt, liefern die Besucher selbst das Stimmungsbild des Abends: Auf Plakaten vor dem Eingang zum Stadtratssaal im Rathaus Thun, hinterlassen sie ihre spontanen Assoziationen zur Generation Z. Diese visuelle Momentaufnahme aus Strichen und Stichworten setzt den Ton für das folgende Generationenforum «Wie ist das Klima in der Generation Z?», moderiert von Lea Schütz (23).
Das Podium spiegelt die Vielfalt der Diskussion wider. Mit dabei sind Noa Dibbasey, Journalistin und Podcasterin, die ihre Generation schon in Kolumnen für den «Blick» analysiert hat. Noah Oetterli, der für die digitale Kommunikation der Stadt Thun verantwortlich ist und bewusst auf Memes und Trends setzt, um junge Menschen zu erreichen. Anrushen Thambythurai, der als Rapper und Lehrer zwei völlig unterschiedliche Welten verbindet: die laute Bühne und das Klassenzimmer.
Leonardo Moser, Präsident der Studierendenenschaft der Universität St. Gallen (HSG), der die Interessen von 10’000 Studierenden vertritt. Und schliesslich Sebastian Rüthy, Jugendarbeiter, Politiker und Vater – zwar technisch gesehen noch Generation Y (Jahrgang 1994), aber mitten im Thema als Jugendarbeiter.
Was verbindet diese unterschiedlichen Biografien? Alle sind sich einig, dass die Generation Z als erste «Digital Natives» aufwächst, was Fluch und Segen zugleich ist. «Social Media ist gefühlt die Definition dieser Generation, im Guten wie im Schlechten», bringt es Leonardo Moser auf den Punkt.
Ein zentrales Thema des Abends ist die psychische Belastung. Studien, die im Forum zitiert werden, zeigen ein ambivalentes Bild: Während sich 88 Prozent der 14- bis 25-Jährigen psychisch grundsätzlich wohlfühlen, machen sich gleichzeitig grosse Sorgen um die berufliche Zukunft, den Klimawandel und globale Krisen breit. Mehr als die Hälfte berichtet von Stress und Erschöpfung.
Anrushen Thambythurai zieht einen direkten Vergleich zu seiner eigenen Jugend. «Ich hatte kein Social Media, keinen Vergleich zu Leuten, die mehr Geld oder KI-optimierte Körper haben», erzählt er. Heute seien Jugendliche einer ständigen Reizüberflutung ausgesetzt. «Man muss immer funktionieren, immer vergleichen». Er beobachtet bei seinen Schülern eine Zunahme von ADHS-Diagnosen und psychischen Problemen, die er stark mit der exzessiven Handynutzung in Verbindung bringt. «Wenn man 10 bis 12 Stunden am Tag am Handy ist und nur 6 Stunden schläft, dann geht es einem nicht gut.»
Noa Dibbasey ergänzt diese Perspektive um den Aspekt der «Überinformation». «Wir haben ein riesiges Bewusstsein für alles – von der eigenen Gesundheit bis zum Weltgeschehen. Aber manchmal ist es einfach zu viel, um es zu verdauen.» Die Folge sei ein ständiges Hin- und Herschwanken zwischen dem Drang, die Welt zu retten, und dem Bedürfnis, sich in die digitale Welt zurückzuziehen – was paradoxerweise oft zu noch mehr Stress führt.
Den Dialog zwischen den Generationen eröffnet Fritz Zurflüh (72). Als Vertreter der Babyboomer-Generation stellt er kritische Fragen, die er selbst als «Boomer-Fragen» bezeichnet. Er erinnert daran, dass seine Generation bereits in den 70er-Jahren mit dem «Club of Rome» vor den Grenzen des Wachstums gewarnt wurde, sich im Handeln aber oft egozentrisch und kurzsichtig verhalten habe. «Wie geht es euch eigentlich mit uns Boomern?», fragt er die Podiumsgäste.
Ihre Reaktion ist differenziert. Es wird schnell klar: Der Begriff «Boomer» wird gar nicht mit einem bestimmten Alter assoziiert, sondern als Haltung verstanden – synonym für Ignoranz oder Besserwisserei. Doch der Dialog mit Fritz zeigt, dass Vorurteile auf beiden Seiten abgebaut werden können. «Versucht so zu sein wie Fritz», lautet am Ende sogar der Wunsch der Podiumsgäste: Zuhörbereit, selbstkritisch und dialogorientiert.
Auch die Generation Z muss sich jedoch an die eigene Nase fassen. Noah Oetterli weiss, dass auch seine Generation in eine Konsumfalle tappt. «Wir sagen: Ich will es, ich habe es, bezahlen kann ich es später mit Klarna.» Diese Haltung trage nicht dazu bei, den Erdüberlastungstag weiter nach hinten zu schieben. Es sei eine Generation zwischen Schuldgefühlen wegen der Klimakrise und einer Trotzreaktion («Warum soll ich verzichten, wenn die Alten es auch durften?»).
Ein weiterer Diskussionspunkt sind die Erwartungen an die Arbeitswelt. Der Generation Z wird oft vorgeworfen, zu hohe Ansprüche zu haben und nicht bereit zu sein, Opfer zu bringen. Leonardo Moser widerspricht dieser Pauschalisierung. «Die Erwartung, dass das eigene Wohlbefinden einen höheren Wert hat als blinder beruflicher Erfolg, sollte gesunder Menschenverstand sein».
Dennoch herrscht Unsicherheit. Die Angst, durch Künstliche Intelligenz ersetzbar zu sein, ist real. Gleichzeitig sehnt sich die Generation nach Sinnhaftigkeit. «Wir sind eine sinnsuchende Generation», stellt Noa Dibbasey fest. Der Trend gehe weg vom reinen Karrieredenken hin zu Community und Work-Life-Balance. «Running Clubs» seien wieder im Trend, weil Menschen das Bedürfnis hätten, sich wieder im echten Leben zu treffen, statt nur digital zu interagieren.
Trotz aller Herausforderungen – von der Klimakrise bis zur digitalen Sucht – endet das Generationenforum am 20. Mai mit einem hoffnungsvollen Ausblick. Auf die Frage, was Mut macht, nennen die Podiumsgäste fast einstimmig den Faktor «Menschlichkeit».
«Unsere Generation ist offener im Umgang miteinander. Wir reden über Gefühle», so Noah Oetterli. Anrushen Thambythura sieht Hoffnung in der Resilienz der Jugendlichen: «Sie schaffen es, trotz allem erwachsen zu werden. Das hat jede Generation vor uns auch geschafft.» Sebastian Rüthy appelliert an die gemeinsame Verantwortung: «Man muss nicht die ganze Welt alleine retten. Wenn wir alle nach dem Pfadi-Motto leben und die Welt ein kleines bisschen besser hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben, dann haben wir viel erreicht.»
Das Generationenforum zeigt: Es gibt eigentlich gar keinen Konflikt zwischen den Generationen, wir brauchen einfach mehr Dialog. Wie Fritz Zurflüh es vorgemacht hat – zuhören, hinterfragen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Denn am Ende des Tages wollen alle dasselbe: Ein gutes Leben führen, in einer intakten Welt und mit respektvollen Mitmenschen.