Was stärkt unsere Demokratie? Neue Perspektiven aus dem Generationenforum

Was stärkt unsere Demokratie? Neue Perspektiven aus dem Generationenforum

Die Demokratie lebt von Mitwirkung, doch die Beteiligung sinkt. Das Generationenforum von UND Generationentandem zeigte auf, wie Krisen, Gleichgültigkeit und fehlende Dialogkultur unsere Staatsform fordern – und welche innovativen Ansätze von Kinderbeteiligung bis zu Bevölkerungsräten frischen Wind bringen.

Die Demokratie steht unter Druck – weltweit und auch in der Schweiz. Doch wie steht es um unsere politische Mitbestimmung, und welche innovativen Wege braucht es, damit sie lebendig bleibt? Diesen Fragen ging das Generationenforum von UND Generationentandem unter dem Titel «Was stärkt unsere Demokratie?» nach. Auf dem Podium diskutierten Stimmen aus Lokaljournalismus, partizipativen Bevölkerungsräten und der Kinderbeteiligung.

Die drei Podiumsgäste: Katja Breitenmoser, Deborah Berger und Jürg Steiner.
Bild: Hans-Peter Rub

Wenn Demokratie unter Druck gerät

Weltweite Entwicklungen zeigen Risse in der demokratischen Architektur. Der V-Dem-Index der Universität Göteborg verzeichnete erstmals seit Jahrzehnten, dass global gesehen mehr Menschen in autokratischen als in demokratischen Systemen leben. Gleichzeitig zelebrieren wir in der Schweiz mit vier Abstimmungssonntagen pro Jahr eine intensive Form der direkten Mitbestimmung.

Reges Interesse und spannende Voten aus dem Publikum trotz sommerlicher Temperaturen.
Bild: Hans-Peter Rub

Wo liegt also das Problem? Die Gäste des Podiums waren sich einig: Es mangelt oft an einer echten Dialogkultur. Statt echtem Zuhören dominieren polarisierende Debatten. Hinzu kommt eine schleichende Gleichgültigkeit – die Demokratie wird zu oft als selbstverständlicher Automatismus wahrgenommen, der nicht mehr aktiv gepflegt werden muss.

Drei Ansätze für eine starke Zukunft

1. Kinderbeteiligung: Demokratie von klein auf lernen

Deborah Berger vom Kinderbüro Basel machte deutlich, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist, sondern gelernt, gelebt und gepflegt werden muss.

  • Erleben statt nur Theorie: In Projekten wie dem jährlichen Beteiligungsforum erarbeiten Kinder eigene Ideen für eine kinderfreundliche Stadt und überreichen ihre Anträge direkt an die Behörden.
  • Alltagspartizipation: Ob Schulhausregeln oder die Gestaltung von Pausenhöfen – wer früh erfährt, dass die eigene Stimme zählt und dass man Kompromisse aushandeln muss, entwickelt ein nachhaltiges demokratisches Bewusstsein.
Deborah Berger: «Kinder sind nicht nur unsere Zukunft, sie sind Teil unserer Gesellschaft und sollen sie auch heute mitgestalten können.»
Bild: Hans-Peter Rub

2. Lokaljournalismus als vierte Gewalt: Verantwortung und Nahbarkeit

Jürg Steiner, Mitgründer des Berner Online-Magazins Hauptstadt, gab Einblicke in einen Journalismus, der sich bewusst gegen den Klick-Kalkül traditioneller Medien stellt.

  • Flache Hierarchien und Haltung: Mit einem Vereinsmodell und Einheitslöhnen wird innerbetrieblich vorgelebt, was nach aussen eingefordert wird.
  • Raus aus der Blase: Durch regelmässige Redaktionsauftritte in Aussengemeinden und Quartieren suchen die Hauptstadt-Journalist:innen den direkten Kontakt zur Bevölkerung, um auch sogenannte «News-Deprivierte» zu erreichen und verständliche, konstruktive Informationen zu liefern.
Jürg Steiner: «Wir wollen mit Freude arbeiten. Wir wollen mit Freude dem schweren Thema Demokratie oder Demokratiebedrohung widmen.»
Bild: Hans-Peter Rub

3. Bevölkerungsräte: Brücken über Gräben hinweg

Katja Breitenmoser (Gründerin von E7 und Vorstandsmitglied von demoscan.ch) plädierte für den vermehrten Einsatz von gelosten Bevölkerungsräten (wie dem Jugendrat U24).

  • Repräsentativ und inklusiv: Per Losverfahren zusammengesetzte Gremien spiegeln die Vielfalt der Bevölkerung oft genauer wider als klassische Parlamente – inklusive Menschen ohne Schweizer Pass oder jüngeren Generationen.
  • Deliberation: Im Zentrum steht nicht das schnelle Rechtbehalten, sondern der strukturierte Dialog, das unvoreingenommene Zuhören und das Entwickeln tragfähiger Kompromisse zu komplexen Zukunftsfragen.
Katja Breitenmoser: «Reden können wir alle gut, die meisten zumindest. Aber das Zuhören ist das, was den Wandel macht.»
Bild: Hans-Peter Rub

Und der Beziehungsstatus?

Am Ende des Abends stellte sich die Frage: Wie steht es um unseren persönlichen Beziehungsstatus zur Schweizer Demokratie?

Souverän durch den Abend geführt: Tabea Keller im Gespräch mit den Gästen.
Bild: Hans-Peter Rub

Die einhellige Antwort der Runde: Gesettelt, stabil und mit Luft nach oben. Die Schweiz darf stolz auf ihre Institutionen sein, doch die Demokratie bleibt eine Dauerbaustelle. Sie verlangt nach Mut zu neuen Formaten, nach Räumen für echte Begegnung – und vor allem nach Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, anstatt sie als Selbstverständlichkeit hinzunehmen.

0.0 starsyıldızSterneétoilesestrellas (0)

Ähnliche Beiträge

Was unsere Gesellschaft zusammenhält

Was unsere Gesellschaft zusammenhält

Trauer sichtbar machen

Trauer sichtbar machen

Was unsere Gesellschaft zusammenhält

Was unsere Gesellschaft zusammenhält

Trauer sichtbar machen

Trauer sichtbar machen

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest

0 Kommentare
Älteste
Neueste Meistbewertet