Hildegard von Bingen: Darf ich’s wagen, Sie zu fragen?

Wir wagen es, zu fragen: Wie lebte es sich so als Heilige, Mystikerin und Medizinerin zugleich? Und das alles im Mittelalter? Liebe Hildegard von Bingen, Sie legten den Grundstein für eine ganzheitliche Medizin. Dafür propagierten Sie eine bestimmte Ernährungsweise. Wie sahen Ihre Ernährungsgrundsätze denn genau aus?

Hildegard von Bingen (1098-1179) alias Elsbeth Affolter (72)

Studiert habe ich nie. Und als ungebildete Frau weiss ich nur, was ich sehe. Visionen, die ich bereits als Kind hatte, zeigten mir immer wieder Bruchteile vom gesunden Leben des Menschen. Daraus entwickelte ich meine Lebensregeln, die den ganzen Menschen umfassen und ihn in die Mitte stellen. Die Grundlage der ganzheitlichen Heilung selbst teile ich in vier Bereiche: Göttlicher Bereich, kosmischer Bereich, seelischer Bereich, körperlicher Bereich.

Hildegard von Bingen. – Bild: wikimedia commons
Hildegard von Bingen. – Bild: wikimedia commons

Meine wichtigsten Ernährungsgrundsätze für den Körperlichen Bereich sind:

  • Das richtige Mass zu finden, weder zu viel noch zu wenig zu essen.
  • Bewegung und Ruhe, Schlafen und Wachen im Gleichgewicht zu halten.
  • Lebensmittel und Getränke sollen Nährstoffe enthalten, die für die Gesundheit des Menschen nützlich sind, z.B. Fenchel, Karotten, Edelkastanien, Dinkel; dazu Kräuter und Gewürze. Salz soll sparsam verwendet werden.
  • Die Speisen sollen gegart werden. Man esse sie weder zu heiss noch zu kalt, damit der Magen nicht zu stark belastet wird.
  • Zum Trinken empfehle ich Wasser nur Gesunden, und in geringen Mengen.
  • Fencheltee ist ein echter Gesundheitstee.
  • Bier gibt eine schöne Gesichtsfarbe wegen der Güte des Getreidesaftes.
  • Dinkelkaffee kann oft getrunken werden. Er belastet Herz – und Kreislauf nicht.

Mein wichtigstes Lebensmittel ist der Dinkel, am besten ist Urdinkel. Er ist warm, fett, milder als andere Getreidearten, kräftigt den, der ihn isst, sättigt gut, hilft bei Stimmungsschwankungen und chronischen Beschwerden.

Für eine Dinkelsuppe bräune man in 1-2 Löffel Butter einen Esslöffel Dinkelmehl. Danach gebe man einen Viertelliter Wasser oder Fencheltee hinzu, eine Prise Salz, Kräuter nach Belieben und Saison. Dies alles lasse man 10 Minuten köcheln. Ab und zu umrühren.


In der neuen Rubrik «darf ichs wagen, Sie zu fragen?» stellen Autoren von «und» einer berühmten verstorbenen Person eine Frage und beantworten diese gleich selbst – aus der Sicht dieser Person.
Hier finden Sie den Beitrag von Mileva Einstein.

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