«Ohne Banken läuft’s nicht rund»

Mario Müller steht vor dem Lehrabschluss in der Raiffeisenbank. Er schaut zurück und voraus; und er macht sich Gedanken über die Bankenwelt, die häufig zu Diskussionen Anlass gibt.

Mario Müller. – Bild: Heinz Gfeller

Der Empfang in der Raiffeisen-Filiale in Spiez ist gediegen: Mario Müller (20), der gegenwärtig dort die AnlageberaterInnen unterstützt, lädt den «Kunden» in ein gut ausgerüstetes, diskretes Büro ein.
Mario Müller steht in seinem dritten und letzten Lehrjahr; er will im Sommer das Eidgenössische Fähigkeits-Zeugnis (EFZ) erwerben. Wie ist er zu dieser Lehre gekommen? Mario hat Schnupperlehren absolviert – und die bei der Crédit Suisse hat ihn fasziniert. «Ich bin ein Zahlenmensch, nicht der Sprachler», und «eher ein Praktiker», charakterisiert er sich. Eine KV-Lehre gilt ja als gute Grundlage; in der Finanzbranche werden dabei eher hohe Ansprüche gestellt.

Banker werden

Wem soll man also eine Bank-Lehre empfehlen? Natürlich muss jemand sich für die Wirtschaft – und das Weltgeschehen – interessieren. Zudem soll er kontaktfreudig sein, offen – um etwa seinen KundInnen zuzuhören. In einem Büro zu sitzen, muss er daneben auch akzeptieren. Dass Selbstdisziplin nötig ist, stellt sich bald heraus: Seine Lehre bedeute für ihn unter anderem, meint Mario, «dass ich lernen muss, alles unter einen Hut zu bringen», nicht nur die Arbeit, sondern auch das Privatleben mit Freundschaften, mit Hobbys: Mario spielt Saxophon und Klavier.
Er hat eine dezidierte Ansicht über den Vergleich von Lehre und Gymnasium. Er findet, OberstufenschülerInnen sollten vermehrt schnuppern gehen, damit sie wüssten, was an Lehren angeboten wird. Viele wählten den Gymer aus Verlegenheit; dieser Weg werde zu sehr gepusht, obwohl er oft wenig mit der Realität zu tun habe. Mit einer Lehre sei doch alles möglich; die heutigen Ausbildungsgänge ermöglichten einem, höhere Stufen, auch die Uni, zu erreichen.
Was stellt sich Mario für seine Zukunft vor? Er hat noch keinen festen Plan: Weiter in der Bank oder ins Geschäft seines Vaters, in der Glas- und Metallbranche? «Sag niemals nie». Einstweilen sieht er vor, im nächsten Jahr die Berufs-Matur zu absolvieren, nicht eigentlich berufsbegleitend, wie das andere machen, aber immerhin mit der Absicherung von zwanzig Prozent Arbeit in seiner Bank. Eine typische Fortsetzung für die, die sich auf den Bankensektor konzentrieren, wäre die Höhere Fachschule Bank und Finanz (HFBF).

Die Kleinen und die Grossen

Marios Bank-Lehre sollte dazu führen, dass er alle Abteilungen kennenlernt – danach kann man über Spezialisierungen nachdenken. Zuerst das «Back-Office»: Administratives, Zahlungen verarbeiten… Dann Dienst am Schalter. Später Kreditberatung und -verwaltung. Schliesslich die «Königsdisziplin»: Anlageberatung. Mario hat dies alles in den vier Niederlassungen von Raiffeisen Thunersee durchlaufen: in einem KMU, 53 Mitarbeitende gehören dazu, darunter drei Lernende. Sicher keine Grossbank – da betont Mario im Gespräch öfters Unterschiede. Sein Lohn ist nicht ganz so hoch, dafür auch der Druck auf ihn nicht. Allerdings gibt’s überall Druck, müssen Kosten gespart werden. Für die üblen Nachrichten aus dem Bankenwesen, so denkt er, sind in erster Linie die Grossen verantwortlich – oder innerhalb derselben einzelne Personen. Für Exzesse hat Mario nichts übrig. Er ist mit dem Prinzip aufgewachsen: «Ich muss sparen, damit ich mir etwas kaufen kann.»

«Geld bedeutet eine gewisse Freiheit», Mario Müller. – Bild: Jana Liebe

Raiffeisen hat eine «Philosophie», und mit der weiss er sich offensichtlich einig: Die Kunden und der persönliche Kontakt stehen im Zentrum. Die Bank ist überall, auch auf dem Land vertreten. Und sie ist genossenschaftlich organisiert: «eine Bank, die allen gehört».
Entscheidend am Arbeitsplatz sind gute Beziehungen. Mario hat die gefunden; er nennt seine Teams «eine Familie». Was die Kundschaft und die Geschäfte mit ihr angeht, da greift das Berufsgeheimnis. Schon am ersten Tag hat Mario zu hören bekommen: «Alles, was du hier siehst, hörst…, bleibt in der Bank drin.»

Eine gute Sache?

In der Schweiz beschäftigt der Finanzsektor zwölf Prozent der Arbeitnehmenden. Doch: Wozu sind Banken gut? Wer drin steht, hält sich wohl ans Positive. Mario Müller sagt: «Banken tragen einen wesentlichen Teil dazu bei, dass unsere Volkswirtschaft funktioniert. Sie sorgen für Wohlstand. Sie helfen dabei mit, dass sich Leute ihre Träume erfüllen können.» Es sei nicht so häufig, dass einem Bankangestellten das Resultat seiner Bemühungen greifbar werde; selten mal erlebe er die Zufriedenheit seiner KundInnen.

«Banken sorgen für Wohlstand. Sie helfen dabei mit, dass sich Leute ihre Träume erfüllen können.»
Mario Müller

Die Branche habe aus der Finanzkrise viel gelernt. Jede Woche erhalte man neue Regulatorien – Weisungen, die Stabilität sichern sollen. Das freue die Banken nur bedingt, aber es sei im allgemeinen Interesse. Historisch zeige sich, dass es immer Krisen gab – und es werde wohl wieder solche geben; aus welchem Bereich, vielleicht den Immobilien oder der Dotcom, wisse niemand. Bei Raiffeisen liefert die Zentrale in Zürich und St. Gallen täglich – in möglichst verständlicher Form – Informationen zuhanden ihrer Mitarbeitenden.
Ob Geld glücklich macht? Natürlich nicht allein. Aber, meint Mario Müller, «Geld bedeutet eine gewisse Freiheit – die Möglichkeit, zu wählen», und das mache doch glücklich. So hat er sich vornehmen können, im kommenden Sommer nach Indonesien zu reisen, und sich damit eben auch «einen Traum zu erfüllen». ☐


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Geld regiert die Welt? Vielleicht – ganz sicher aber die Beiträge zu diesem Schwerpunkt. Die Redaktion hat sich im Frühling 2018 vertieft: In unser Geldsystem und ganz neue Ideen.